Mit Lyrik auf Promotion-Tour

Konzept für den Spitzensport in der Bundespressekonferenz von BMI und DOSB  präsentiert

Berlin, 24.November. Als Sport-Dreieinigkeit haben Bundesinnenminister Thomas de Maizière, die Vorsitzende der Sportministerkonferenz Christine Kampmann und der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) Alfons Hörmann bei der Bundespressekonferenz die nun vom Entwurf zum Konzept mutierte „Neustrukturierung des Leistungssports und der Spitzensportförderung“.

Nein, es geht kein Blatt zwischen die Männerfreunde Hörmann und de Maiziere, die da auf dem Podium mit der Länder vertretenden Dame Kampmann Platz genommen haben. Und nun wortreich wieder die Vorteile der Spitzensportreform preisen. Das ist die letzte Station der Promotion-Tour in Sachen Reform vor der DOSB-Mitgliederversammlung am 3. Dezember in Magdeburg, die vor allem Alfons Hörmann in den letzten Monaten bei  Mitgliedsorganisationen machte.

Der Minister trägt in gewohnt ruhiger Art vor. Er schildert nochmal das Prozedere, „die langen, manchmal zähen“ Verhandlungen in den vergangenen zwei Jahren. „Die Reform soll viel ändern – und es soll sich aber nichts ändern? Das geht nicht“, sagt de Maizière und meint dann wohl die im Sport, die immer mehr Geld wollen, aber im Prinzip so weiter machen wollen wie bisher. Und die den Reformern das Leben schwer  mach(t)en. Zielorientiert und Exzellenz, Leistung und Transparenz, Fairness und Sauberkeit sind die Prämissen, nach denen nun die Förderung laufen soll, und zwar eine Förderung, um „nach oben zu kommen, und nicht weiter nach unten zu rutschen“.

Zufriedenstellend

Das BMI hat seinen Part offensichtlich zufriedenstellend für seinen Minister erfüllt. Zwar ist die knallharte Forderung, nur dann Förderung zu bekommen, wenn man auch förderungswürdig sei, aufgeweicht worden. Aber der Status quo, dann weiter eben viel Geld für Null Leistung zu bekommen, ist gekippt. Und dabei bleibt es auch. Wer im Cluster drei gelandet ist, der wird in einer sogenannten „Abschmelzphase“ langsam aus der Förderung gleiten, falls er nicht die Kurve kriegt und sich zu Spitzenleistungen hocharbeitet. Auch dass hauptamtliche Sportdirektoren im Präsidium sitzen müssen, ist nicht mehr aktuell. Den Vorwurf, in die Autonomie der Fachverbände einzugreifen, wollten die Macher nicht auf sich sitzen lassen.

Wobei der DOSB mit der Autonomie seiner Mitgliedsorganisationen es manchmal, wie etwa das jüngste Beispiel um die Trainer-Akademie und die Personalie Thomas Weikert zeigt, selbst nicht so genau nimmt.

Gemeinsam

Aber jetzt ist Alfons Hörmann dran. Und der spricht vom „gemeinsamen Konzept“. Das mit dem „gemeinsam“ war in letzter Zeit nicht immer so sein Ding: Bei Kritik an der Reform schob er diese gerne auf das BMI. Heute sitzt der Minister neben ihm, da ist er wie immer zahm und sagt das, was dem Minister gefällt.

Der Sport, so lässt er wissen, habe in den letzten Wochen Kritik und Anregungen wie Änderungswünsche in den Entwurf eingearbeitet (siehe oben Cluster usw.). Hörmann gibt den Athleten-, Trainer-, Verbands- und überhaupt -Versteher.

Und die nordrhein-westfälische Sportministerin Kampmann wiederholt, was sie schon nach der Sportministerkonferenz vor zwei Wochen sagte, dass man hinter der Leistungssportrefrom stehe, sich einbringen möchte im Nachwuchsbereich und bei der Talentsichtung. Aber mehr mitreden müsste. Und dann natürlich die Förderer und Verteidiger des Breitensports und der Werte wie Regeln, Fairness, Respekt usw. sei…

Friede, Freude, Eierkuchen. Schulterschluss – das Signal nach außen und innen: Die Reform steht und wir stehen dahinter.

Krach hinter den Kulissen

Würden da nicht immer wieder die Geschichten erzählt, dass es hinter den Kulissen vor allem im Sport noch immer kracht und Ärger gibt. Denn nach wie vor ist die Frage der Olympiastützpunkte und deren Organisation nicht geklärt. Auch wegen der Bundesstützpunkte gibt es immer noch Ärger. Ganz zu schweigen von dem Zoff um die wissenschaftliche Begleitung und Mitbestimmung, die gar nicht gut in den Fachverbänden ankommt. Und da ist dann auch noch der Satz von der Gleichstellung von olympischem und paralympischem Sport, der nun in dem Konzept auftaucht, und für neuen oder weiteren Ärger sorgt. Einvernehmen und Inklusionsschwüre – Sonntagsgeschwätz für viele.

Und dann noch das liebe Geld: Der Minister hat mehr Mittel  in Aussicht gestellt, aber erst dann, wenn die Reform umgesetzt ist – nicht vorher. Das sorgt nun doch etwas für Verdruss zwischen dem Minister und dem DOSB-Präsidenten, der ja schon eine zusätzliche Anschubfinanzierung  von bis zu 16 Millionen Euro forderte. Und 5, 2 Millionen bekam. Was Hörmann  allerdings nicht reichte. Und er dann mal wieder zu einem verbalen Rumpelstilzchen wurde, weil seine Zusatzforderungen von den Haushältern nicht erfüllt wurden. Nun liegt schon wieder für 2018 ein Finanzbedarfsplan vor, der aber auch erst einmal Makulatur ist, wenn der Minister sich an sein eigenes Motto hält: „Erst liefern, dann Geld.“

Sportler im Zentrum

Zwar geht es in dieser Reform natürlich vor allem um Geld und Einfluss. Aber eigentlich soll ja der/die AthletIn, und – ja doch – auch der/die TrainerIn im Mittelpunkt stehen. Man kann das nicht oft genug beteuern, und seit 1990 wird das in jedem Reformpapier und Perspektivplan gebetsmühlenartig wiederholt: Der/die AthletIn ist das Zentrum des Spitzensports – ohne bisherige erfolgreiche Umsetzung.

Und was wäre eine Promotion-Vorstellung, ohne sich als „Sachwalter“, wie Hörmann sagt, der AthletInnen zu präsentieren. Als Beleg dafür, dass man die AthletInnen nicht nur ernst nehme – man habe sich mit 500 intensiv ausgetauscht und sie einbezogen -, sondern diese auch für die Reform seien, überrascht der Präsident mit einem „Manifest“. Nicht von ihm, nein von zwölf AthletInnen, deren Namen er aber nicht preisgeben will. (Wie war das mit Transparenz?)  Dafür rezitiert er aber deren lyrische Sätze: „Wir lieben unseren Sport, die Leidenschaft für ihn treibt uns an, wir sind bereit, uns jeden Tag selbst  herauszufordern und immer wieder an unsere Grenzen zu gehen. Warum? Weil es nichts Schöneres gibt als diese magischen Momente, die uns nur Olympische Spiele oder vergleichbare Sportveranstaltungen geben können“ usw., usw.

Na, da fragt man nun nicht: Was wollten die sportlichen DichterInnen uns damit sagen, sondern eher : Was soll das denn nun, Herr Präsident?

Vielleicht, dass Dichtung und Wahrheit bei der DOSB-Führung oft  fließend sind.

Reaktion auf  das Konzept

Kritik unberücksichtigt

Mit  dem überarbeiteten Reformentwurf  zum Spitzensport ist der Sportpolitiker der Linken im Bundestag, Andre Hahn, mehr als unzufrieden: „Zwar ist das heute vorgestellte Konzept gegenüber dem vor acht Wochen vorgelegten Entwurf an einigen Punkten konkretisiert worden. Die zahlreichen begründeten Kritiken aus dem Sport, wie auch von der Linken und anderen gesellschaftlichen Kräften, blieben von den Arbeitsgruppen um Bundesinnenminister de Maizière und DOSB-Präsident Hörmann allerdings weitestgehend unberücksichtigt.

Es fehlen nach wie vor wichtige Bestandteile wie  beispielsweise das Finanzierungskonzept.“ Die Fixierung auf Podiumsplätze bei Olympischen und Paralympischen  Spielen kritisiert Hahn in seiner Presseerklärung ebenso wie  die computergestützte Potenzialanayse und den Umstand, dass die Möglichkeiten für eine duale Karriere von AthletInnen  nicht „durchgreifend verbessert werden“.

Keine überzeugende Lösung

Auch Özcan Mutlu, sportpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag , sieht in dem überarbeiteten Entwurf keine “ überzeugende Lösung.“  Er beklagt weiter: “ Das Bürokratiemonster wird eher ausgefeilter und durch Präzisierungen ergänzt. das von vielen Seite. Kritisierte PotAs-Analysesystem und die diesbezüglichen ‚Attribute‘ wurden auch im zweiten Anlauf – trotz anderslautenden Verlautbarungen – nicht verbessert.“

Zwar sollten , so Mutlu weiter AthletenInnen und TrainerInnen im Mittelpunkt des Konzepts stehen, aber man müsse sie – außer im Vorwort- „mit der Lupe“ suchen. Er findet auch das Vorgehen  bei der Reduzierung der Olympiastützpunkte planlos in jeder Hinsicht. Und  es ärgert ihn, dass der Breitensport „als Grundlage herausragender Leistungen“ weiter auf der Strecke in diesem Konzept bleibt.

Aber findet doch noch etwas Positives: „Das einzig zu begrüßende an diesem halbherzig überarbeiteten Entwurf ist die Ergänzung unserer Forderung von Doping-,Korruptionsprävention sowie Prävention sexualisierter Gewalt und Bekämpfung  von Spielmanipulation als Förderbedingung. Leider spiegelt sich dieses aber nicht in den PotAs-Kritierien wider.“