Feuer und Flamme erloschen

Berlin, 29.November. Um 21 Uhr am Sonntag trat Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz vor die Öffentlichkeit: „Hamburg wird sich nicht um die Austragung für Olympia 2024 bewerben.“ Kurz vorher war klar geworden, dass die Hamburger im Referendum die Bewerbung mit 51,6 Prozent abgelehnt hatten.

Ja, das war’s dann mit den olympischen Träumen deutscher Funktionäre für die nächsten Jahrzehnte. Denn eigentlich wollten vor allem sie, und weniger die Bürger und Bürgerinnen, die Spiele. Von Olympiastimmung in Sportdeutschland, ein Begriff, den plötzlich DOSB-Präsident Alfons Hörmann im Wortschatz seines Verbandes verortete, war eigentlich nicht viel zu spüren, obwohl Auftragsumfragen anderes verkündeten.

Feuer und Flamme sind vorzeitig erloschen – die Hamburger taten es den Münchnern gleich und sagten „Nein“ zu einem Spektakel, das für sie vor allem ein finanzielles Abenteuer geworden wäre. Zwar versicherte Bürgermeister Scholz, es sei alles seriös gerechnet, aber vielen Hamburgern, von den Rechenkünsten rund um die Elbphilharmonie gewarnt, standen da dann doch zu viele Unbekannte auf dem Zettel.

Abgesehen davon haben vor allem auch die Skandale bei der Fifa, dem DFB und der IAAF dazu beigetragen, dass selbst passionierte Sportfans sich für ein „Nein“ zu Olympia entschieden haben.

Und da kommen wir nun zum Kern des Problems: Olympische Spiele sind kein Selbstläufer mehr. Vielen Bürgern und Bürgerinnen weltweit sind Spiele nicht nur zu teuer, sondern auch zu verdorben: Korruption, Manipulation und vor allem Doping allerorten haben den Spaß am „großen“ Sport und Olympischen Spielen verleidet. Sie sind mittlerweile zu einem seelenlosen Geschäftsevent verkommen, auf dem sich gerne undemokratische Staaten und deren Präsidenten prestigekräftig an der Seite von (Ex-) Athleten und IOC-Präsidenten für Milliarden Einsatz und auf Kosten vieler Menschen feiern lassen.

Versprechen wie die olympische Agenda 2020 werden am Ende nur Vorteile für Funktionäre und Verbände bringen. Auf Versprechungen im „großen Sport“, das lehrt die Geschichte – siehe Doping –, kann man sich nicht verlassen.

Versiebt hat diese Bewerbung zum wiederholten Mal der DOSB, der in einer unnachahmlich arroganten Art gleich nach der Pleite von München wieder ins Rennen ging und Spiele durchziehen wollte – eventuell auch, weil aus Lausanne vom deutschen IOC-Präsidenten leicht geschubst wurde.

Und dann wurde selbstherrlich losgelegt. Schon wie der Wettbewerb zwischen den deutschen Bewerbern Hamburg und Berlin vom DOSB gehändelt wurde. Es war schnell klar, dass Hamburg das Rennen machen sollte, weil man sich in Berlin der Bürger nicht sicher war. Wie dann aber das Prozedere teilweise gelaufen ist, war – gelinde gesagt -sehr merkwürdig. Das Motto Willy Brandts „Mehr Demokratie wagen“ gaben die DOSB-Macher zwar aus, hielten sich aber lieber an Lenins „Kontrolle ist besser“. Die  Mehrheit der Hamburger ließ sich  nicht blenden und nicht von den  fünf olympischen Ringen  verführen.

Olympische Spiele und Deutschland passen momentan nicht zusammen“ sagte Hörmann, unmittelbar nachdem das Ergebnis bekannt wurde, und machte Rahmenbedingungen als Grund für das Scheitern aus. Das wären dann Flüchtlinge und die Anschläge in Paris. Das sind sicher Gründe. Aber in erster Linie ist auch diese Niederlage hausgemacht, weil Sportfunktionäre seit Jahrzehnten hier herumlaufen und glauben, dass Bürger und Politik zu allem Ja und Amen sagen, wenn der Sport auf der Matte steht. Die Zeiten, Sport nach Gutsherrenart zu führen und durchzusetzen, sind offensichtlich vorbei – und das ist gut so.

Auch ohne Olympische Spiele kommen auf den deutschen Sport viele Aufgaben zu – auch die Rahmenbedingungen, von denen Hörmann sprach.

Also werte Damen und Herren aus der DOSB-Führungscrew! Besinnen Sie sich doch mal wieder auf den Sport, der gerade gesellschaftliche Aufgaben an der Basis bravourös mit stemmt – den Breitensport, ihr eigentliches Geschäft.

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