Ein Bumerang kommt immer wieder zurück

DOSB und BMI brüten mal wieder über einem neuen Spitzensportförder-Konzept / Der Bundesminister lässt die Muskeln spielen, und der Sportpräsident feiert sich jetzt schon als Über-Reformer

Berlin, 17. Juli – „Das anhaltende Tief in einer Reihe von Sportarten wird auf die bisherige Förderung mit öffentlichen Mitteln nicht ohne Konsequenzen bleiben können. Die öffentlichen Mittel müssen im Sinne einer Leistungsorientierung konzentriert werden, die dem Athleten dienen, die internationales Spitzenniveau haben oder durch Leistung nachweisen, dass sie dieses Niveau erreichen können … Die Förderung von Sportarten mit nur geringer Leistungsperspektive wird in der Höhe deutlich zurückzunehmen zu sein.“ Aktuelles Zitat? Nein. Aber aktueller denn je und austauschbar.

Im Dezember 1988 sagte das der damalige Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann – nachdem es mal wieder Diskussionen über eine unzureichende Medaillenausbeute bei den Spielen in Seoul und Calgary und die zu ziehenden Konsequenzen gab: So könne es nicht weitergehen, hieß es da, ein neuer Weg müsse eingeschlagen werden, ein neues Spitzensportförderkonzept müsse her. Nach den Leitlinien des Spitzensports von 1985 sollte also nun der Bundesausschuss Leistungssport völlig umstrukturiert werden, um endlich eine Sport-Erfolgsschmiede auf die Reihe zu kriegen.

Reflex bei Erfolglosigkeit

Es ist schon eine Art Reflex von Politikern und Funktionären, dass sie bei Erfolglosigkeit zu der Analyse kommen: Es liegt am System, wir müssen erneuern. Und deshalb verwundert es nach den Pleiten von London und Sotschi nicht, dass es wieder mal soweit ist. Das hört sich dann so an: „Konzentration auf erfolgversprechende Disziplinen oder Sportarten unter Beachtung unserer Sporttradition mit der Breite, die wir haben – das wird der Weg sein, den wir gehen müssen … Die harte Währung der Förderung sind Medaillen.“ Das sagt der heutige Bundesminister Thomas de Maizière im März 2015. Und wiederholt es immer wieder gerne. Könnten auch schon 1988 Zimmermann oder ein Jahr später sein Nachfolger Wolfgang Schäuble gesagt haben.

Altes Problem – neues Spiel

27 Jahre später also dasselbe Problem, das bei allen neun nachfolgenden Bundesinnenministern – je nach Affinität zum Sport – mehr oder weniger wohlwollend immer wieder angegangen werden musste. Neue Förderpläne wurden aus der Schublade gezaubert. Und das Spiel begann nach Olympia oder Weltmeisterschaften von neuem, wenn das „Plansoll“ nicht erreicht wurde.

Nun, die letzte Krise nach London 2012 und folgende Diskussionen hatte der Sport vor allem schon im Vorfeld und während der Spiele selbst ausgelöst – durch zunächst geheime Zielvereinbarungen mit dem Ministerium, die dann als Bumerang auf alle Beteiligten zurückkamen. Verbände hatten sich da wohl überschätzt bei ihrer Selbsteinschätzung, wie viele Medaillen sie zum deutschen Erfolg beisteuern könnten. 86 Mal Edelmetall war die Regieanweisung – am Ende waren es 44 Medaillen, die damals ein immer blasser werdender Generaldirektor und Chef de Mission Michael Vesper zusammen mit seinem verstimmten Präsidenten Thomas Bach am Ende der Spiele verkünden konnte.

Gremien und Projektgruppen

Ja, wenn man dann nicht mehr weiter weiß, gründet man ’nen Arbeitskreis. Was heißt einen Arbeitskreis?! Seit der DOSB nicht mehr der DSB ist, haben Gremien, Kommissionen, Projekt-, Beratungs-, Steuerungsgruppen Hochkonjunktur. Es gibt einen veröffentlichten Zeitplan für das Erarbeiten der Förderrichtlinien, der wohl auch belegen soll, dass was getan wird. Manche verstehen nicht, warum man nicht gleich nach London angefangen hat, sich zu sortieren – sondern fast drei Jahre verstreichen lässt. Schon unmittelbar nach den Londoner Spielen hatte die damalige Sprecherin der Grünen im Sportausschuss des Bundestages, Viola von Cramon, gefordert, dass endlich ein Konzept erarbeitet werden sollte, wo nicht nur wieder an den Symptomen herumgedoktert wird. Doch es wurde gewartet. Worauf? Auf die Sotschi-Pleite?

Geheime Kommandosache

Was planen BMI und DOSB? Es scheint eine geheime Kommandosache zu sein. Es ist die Rede davon, dass nach den Spielen in Rio 2016 das neue Konzept vorgelegt werden soll. Der Bundesminister spricht von „gegebener Zeit“. Soweit die offizielle Information.

Auch der Sportausschuss, mit dem man „intensiv kooperieren“ will (de Maizière), sitzt mindestens bis Herbst informationstechnisch ziemlich auf dem Trockenen. Nachfragen bei Kommissions-Beteiligten aus den Verbänden – die ja eigentlich explizit nicht mit in die Runderneuerung einbezogen sind – bleiben unbeantwortet. Auf eine Anfrage, was da warum jetzt in den Gesprächen läuft, bekommt man vom DOSB-Pressesprecher Christian Klaue folgende Antwort: „Bei den Gesprächen wird die Reform der Spitzensportförderung diskutiert und erarbeitet. Da die Spitzensportförderung ein hochkomplexes Konstrukt mit vielen Beteiligten ist, nimmt das natürlich ein wenig Zeit in Anspruch.“ Das lassen wir dann einfach mal so stehen.

Blick über den Tellerrand

Was bisher nie bei neuen Konzepten, Papieren, Richtlinien beachtet wurde, war einen Kurs vorzugeben, der den deutschen Sport ganzheitlich sieht – sowohl inhaltlicher Art wie auch strukturell, politisch und gesamtgesellschaftlich verortet.

Und auch das neue Beratergremium, dem besagte Projektgruppen zuarbeiten, die sich um Themen wie Trainer, Kaderzahlen, Finanzierungsstrukturen oder wissenschaftliche Begleitung kümmern, steht nicht für den Blick über den Tellerrand. Sicher können ehemalige Athleten wie Michael Groß oder Maria Höfl-Riesch, Miriam Vogt oder Ole Bischof das eine oder andere dazu beitragen, wie man zum Beispiel den Fokus auf die Sportler und ihr Umfeld richten kann. Aber sind sie die Richtigen, auch gesamtgesellschaftliche Interessen im Blick zu haben? Mit Professor Holger Preuß sitzt ein Sportökonom am Tisch. Gibt es keine weitere wichtige relevante Gruppen, die Sport und Politik beraten könnten? Etwa wenn es um Studium und Ausbildung von Athleten während der Karriere geht. Oder das Leben nach dem Sport. Wird alles wieder nur unter dem Leistungsgedanken und unter Finanzierungsaspekten behandelt?

Vorbildfunktion ad absurdum

Spitzensport und damit verbundene Veranstaltungen sind heute weltweit keine Selbstläufer mehr. Argumente wie die Vorbildfunktion des Spitzensports oder die Wertevermittlung, Fairplay oder Teamgeist und Integration haben vor allem internationale Sportverantwortliche selbst ad absurdum geführt: Korrupte, geldgierige, rücksichtslose, unmoralische Funktionäre auf der einen Seite, unter Erfolgsdruck dopende Athleten auf der anderen Seite, und alles in intransparenten Verbandssystemen. Dass Bürger und Bürgerinnen heute Spitzensport oft sehr kritisch und distanziert sehen, und nicht mehr alles mittragen wollen – aus verschiedenen Gründen -, zeigen auch etwa die Auseinandersetzungen um die Bewerbung von Olympischen Spiele oder die Distanz zu Doping verseuchten Sportarten. Auch wer neu über Spitzensportförderung nachdenkt, sollte das nicht völlig außer Acht lassen.

Maßstab Medaillen

Wozu brauchen wir Medaillen und Spitzensport überhaupt? Im Kalten Krieg war der Wettlauf der Systeme der Grund, warum Geld in den Spitzensport gebuttert wurde. Warum heute? Die Zeit der Überlegenheit von Systemen ist passé? Weil es fürs Image gut ist, wenn man sich als Politiker oder Funktionär neben einem Olympiasieger ablichten lassen kann? Zur Identifikation? Mit wem? Zur Ablenkung? Zur Repräsentation des Landes?

Der Philosoph und Soziologe Gunter Gebauer findet es „absurd, wenn jemand meint, dass Deutschland daran gemessen wird, wie viel Goldmedaillen gewonnen werden. Wir werden daran gemessen, was für ein Leben in Deutschland möglich ist, wie sich Individualismus entfalten kann, was Deutschland an Bildungs- und Sozialleistungen bietet.“

Breitensport nicht wichtig

Der Sport hat viel zu bieten, auch im Bildungs- und Sozialbereich. Das hat er in Jahrzehnten immer wieder bewiesen. Mit Kampagnen und Aktionen brachte die Dachorganisation DSB die Deutschen in Bewegung. Immer mehr Aufgaben roll(t)en auf ihn und die Nachfolgeorganisation DOSB zu, vor allem auch unter gesundheits-, sozial- oder bevölkerungspolitischen Aspekten. Auch heute werden viele Projekte unter dem DOSB-Dach angeleiert – nicht zuletzt auch auf Wunsch vieler Bundesministerien – und erfolgreich durchgezogen, aber im Fokus steht mehr denn je der Spitzensport. Neben anderen sind daran auch wir Medien schuld, dass viele gesamtgesellschaftliche und zukunftsrelevante Themen vernachlässigt werden, irgendwo im Nirwana der Berichterstattung untertauchen oder gleich im virtuellen Papierkorb verschwinden.

DOSB bedeutungslos

Aber besonders der DOSB ist in den letzten Jahren ein bedeutungsloser Leisetreter im gesellschaftspolitischen Chor geworden. Er bläht bei Spitzensportthemen die Nüstern, sein Präsident Alfons Hörmann feiert die Olympiabewerbung Hamburg als das größte Projekt seit der deutschen Vereinigung. Entschuldigung – geht’s noch? Der DOSB bejubelt sich gerne als die größte Personenvereinigung der Republik mit seinen 27.546.797 Mitgliedern, die es aber nicht fertig bringt, sich auch als gesellschaftliche Kraft da zu positionieren, wo man ihn erwartet. Beispiel: Flüchtlinge – nur vereinzelt ein Thema für Landessportbünde oder Vereine und Einzelpersonen. Wo ist die Stimme des DOSB für die Schwachen geblieben? Der DOSB, der sich gerne auf von der Politik inszenierten Gipfeln zu Inklusion und Integration an die Seite der Kanzlerin zum Gruppenfoto stellt, aber dann oft doch am Katzentisch Platz nehmen muss? Es gibt viele Themen, etwa rund um die Gesundheit, in denen die Sportentwickler im DOSB sich Renommee erarbeitet haben, aber offensichtlich nur für einen kleinen Kreis, weil die eigene Führungscrew das gar nicht wahrnimmt.

Denn: Das Paradepferd Spitzensport gilt es weiter erfolgversprechend zu dressieren. Und das sieht Professor Gebauer mit sehr gemischten Gefühlen. „Man ist ja beim DOSB nicht nur für Medaillenproduktion verantwortlich, sondern für das große Ganze.“

Logische Schritte

Vieles, was im DOSB so abgeht, bezeichnet Gerhard Trosien, Professor für Sportmanagement, der selbst einmal beim DSB gearbeitet hat, als „logische Schritte zu einer weiteren Professionalisierung.“

Dass die Führungsstrukturen mit einem hauptamtlichen Vorstand und einem als Aufsichtsrat fungierenden Präsidium umgesetzt wurden, ist für ihn auch ein Beleg dafür. Sportorganisationen sind also auf den Pfaden moderner Unternehmen unterwegs, was nicht nur am Sprach-Jargon festzustellen ist. „Es gibt immer mehr Verbände, die sich praktisch mit ihren Profis etwa in Bundesligen aus dem Verband ausgeklinkt haben und eigene Wege gehen. Das ist zunächst nicht verkehrt“, sagt Trosien. „Die Frage ist dann nur: Wie wird die Basis, der Breitensport gestützt und gefördert? Manche Verbände haben mit ihren Profiabteilungen Kooperationsverträge abgeschlossen. Der Gesamtverband ist dann die Klammer zwischen Spitze und Breite.“ Dass so etwas in verschiedenen Modellen funktionieren kann, dafür sind der Deutsche Fußball-Bund, die Handballer oder der Volleyballverband Beispiele.

Gespenst Spaltung

Und spätestens hier taucht ein Gespenst auf, das schon über 30 Jahre im organisierten Sport herumspukt: die Spaltung des Sports in Spitzen- und Breitensport. Das vielgepriesene ehrenamtliche Verbands- und Vereinsmodell, um das die Deutschen so beneidet werden, wie Funktionäre immer wieder in ihren Sonntagsreden verkünden, ist damit auf Dauer gesehen, dann eher ein Auslaufmodell.

Schon alleine durch die Änderung der Führungsstruktur im DOSB und in anderen Sportverbänden ist ein Systembruch vollzogen worden: Hier hochbezahlte Hauptamtliche, dort Ehrenamtliche, die eigentlich noch Geld für ihre Vereinsarbeit mitbringen müssen, und für ihr Engagement oft nicht mal Anerkennung finden. Dort attraktive olympische Sportarten, da die weniger attraktiven, vermarktungstechnisch uninteressanten Disziplinen. Wie steht es da um die Solidarität auch mit Blick auf die neue Medienpolitik des Sports?

Nur miteinander

Spitzensport, Breitensport – beides funktioniert nur miteinander. Doch wie will man den Spagat hinkriegen, ohne sich in Parallelwelten zu verlieren? Wie will man eine Non-Profit-Organisation bleiben, wenn Millionen von Sponsoren und mit Medienrechten kassiert werden? Und wenn der Staat hauptsächlich etwa rund 10.000 Kaderathleten nicht nur mit Steuermitteln, sondern auch bei Bundeswehr und Polizei subventioniert.

Fragen, die sich der Bundesinnenminister und der DOSB-Präsident auch stellen müssten, wenn sie es mit Leistungs- und Erfolgsvorgaben im Bezug auf Förderung ernst meinen. Ein Blick in den Sportentwicklungsbericht, den der DOSB jedes Jahr auf den neuesten Stand bringt, würde da schon weiterhelfen..

Dramatische Einbrüche

Wenn der Bundesinnenminister von „Sporttradition und Breite“, die aber nicht alles sei, spricht, was bedeutet das dann beispielsweise für olympische Sportarten, die dramatische Einbrüche bei den Mitgliederzahlen haben? Wird das in den Förderrichtlinien eine Rolle spielen? Beispiele gibt es viele. Der Deutsche Bob- und Schlittensportverband verlor im Zeitraum von 2006 bis 2014 über 32 Prozent seiner Mitglieder – das ist ein Minus von 2.076 Mitgliedern. Insgesamt hat der Verband noch 6.371 Mitglieder. Ist das eine „sterbende“ Sportart? Wie sieht es mit dem Nachwuchs aus? Rechtfertigt das den teueren Unterhalt von vier Bob- und Rodelbahnen, die nur die wenigen Spitzenathleten nutzen? Ist das nun ein Verband, der künftig weiter im Verhältnis beispielsweise zum großen Leichtathletik-Verband überproportional unterstützt wird, weil deutsche Rodler und Bobfahrer lange mangels ernsthafter Konkurrenz als Medaillenbank galten? Auf die Kriterien im neuen Reformpaket kann man gespannt sein.

Noch dramatischer stellt sich die Mitgliederentwicklung bei den Eisschnellläufern dar: Im Zeitrahmen von acht Jahren verloren sie 1.681 Mitglieder. Gerade noch 1.457 Personen waren 2014 im Verband organisiert. Sind da noch Eisschnelllaufzentren wie in Inzell oder Berlin zu rechtfertigen? Viele Athleten, etwa im Turnen, trainieren ohnehin lieber zuhause bei ihren Heimtrainern als in einem Bundesleistungszentrum – was Funktionäre nicht davon abhält, weitere Infrastrukur-Verbesserungen zu fordern.

Olympische Sportarten wie Turnen, Schwimmen, Handball, Ski, Leichtathletik, Schießen, Reiten, Tennis, Judo oder Gewichtheben haben alle seit 2006 fünf- bis sechsstellige Mitglieder-Verluste zu verkraften. Zukunftsforscher, Soziologen und Städtebauer prognostizieren schon seit langem, dass viele Sportarten auf dem absteigenden Ast sind und sich das Angebot für passive und aktive Sportkonsumenten verändern wird. Auch das olympische, und da reicht dann auch eine Agenda 2020 nicht mehr. Die Forscher würden sicher viel zu einem neuen Förderkonzept beitragen können.

Zukunft des Systems

Der Deutsche Triathlonverband oder der Alpenverein erleben einen wahren Boom. Warum wohl? Weil sie im Trend liegen, also das bieten, was Menschen heute wollen – die einen Naturverbundenheit, andere wollen sich beweisen. Grundsätzlich für eine neue Sportförderung wäre ja dann auch mal abzuklären: Welche Sportarten haben Zukunft, welche haben genug Nachwuchs, und wo lohnen sich Investitionen? Was sagte Hörmann nach dem Gespräch mit dem Bundesinnenminister am 11. März 2015? „Wir sind gemeinsam zum Fazit gekommen, dass wir das gesamte System auf seine Fitness, auf seine Tauglichkeit für die Zukunft hin kritisch überprüfen müssen.“

Warm anziehen

Im BMI, so streute die Gerüchteküche noch zu Zeiten von Minister Hans-Peter Friedrich, wolle man nun „endlich mal richtig durchgreifen“. Politischer „Liebesentzug“ hatte auch schon zu Bonner Zeiten Methode – ohne Folgen. Also: Sind das nun wieder nur Muskelspiele und wichtigtuerisches Gedöns? Scheuen BMI und DOSB dann am Ende doch wieder die Auseinandersetzung mit den Verbänden? Denn was wäre die Konsequenz: Dass sich eine Reihe von Verbänden warm anziehen müssen, weil sie vielleicht aus der Förderung fliegen werden. Und eventuell ist das der Punkt, weshalb man so eine Geheimniskrämerei bei DOSB und BMI um die inhaltliche Arbeit macht.

Denn, käme es dazu, nur noch die vielversprechenden Sportarten zu fördern, dann hätte man ein System à la DDR, wie viele befürchten und den Untergang der Sportwelt prophezeien.

Andere wiederum sehen sich endlich am Ziel ihrer Wünsche, den Spitzensport konzentriert und nicht mehr mit der Gießkanne zu fördern.

Alfons Hörmann hat vollmundig angekündigt, dass es Änderungen in den Strukturen „in dieser Form in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten nicht gegeben hat“. Das haben auch schon andere Präsidenten in ähnlichem Kontext vor ihm angekündigt. Und wie wird sich Sportdeutschland (was immer das auch sein soll), das der DOSB-Präsident derzeit in jeder Rede heraufbeschwört, dazu stellen?

Kein allgemeines Wohlfühlen

153 Millionen Euro werden für den deutschen Spitzensport in diesem Jahr ausgegeben, davon etwa 110 Millionen für die Verbandsförderung. Minister de Maizière macht klar, wenn es um die Förderung des Spitzensports gehe, dann diene das nicht dem „allgemeinen Wohlfühlen von Sportverbänden oder Sportlern und den Breitensport, sondern der Förderung von Leistungen“.

Was also machen diejenigen, die keine Erfolge vorweisen können, die unter Druck geraten? Der Minister und die Funktionäre sprechen ja auch gerne über sauberen Sport und von Glaubwürdigkeit. Derselbe Minister, der nun Leistung fordert für das Geld, das sein Ministerium ausgibt, war auch an der Ausarbeitung des Doping-Gesetzentwurfes beteiligt, das im kommenden Jahr in Kraft treten soll. Ein Widerspruch in sich. Wie passen also beide Ansprüche zusammen, in einer Spitzensportwelt, in der Rekorde und Superlativen, und nur Sieger zählen? So naiv kann niemand sein.

Kunstkniff und Dinos

Nicht nur auf dieses Jahrhundert-Förderkonzept darf man gespannt sein. Auch auf den Kunstkniff, wie die Parallelwelten Profisport und Breitensport weitergeführt werden, und wie man den Mitgliedsverbänden und den Vereinen auf Dauer verkaufen wird, dass sie eigentlich in der modernen vernetzten Unternehmenswelt Sport mit ihren Machern, Managern und einer unglaublichen PR-Maschinerie nur noch die zum Aussterben verurteilten Dinosaurier sind.

Aber aufgemerkt: Neue Konzepte waren bisher im deutschen Sport immer sehr kurzlebig, eitle Macher ohne Basiseinsatz – etwa in der Nachwuchsarbeit – aufgeschmissen, großmäulige Manager oder prestigeheischende Funktionäre bei-m Scheitern -sprich dem ausbleibenden Edelmetall-Regen – zunächst kleinlaut, dann folgten Schönreden, Krisen-Aktionismus. Und wieder ein neues Konzept.

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