Kanute Ronald Rauhe wird Sportminister

Nach langer Suche: Berliner Spitzensportler wird Schenderlein-Nachfolger

Härtel, Rauhe und Wegner bei einem Empfang.

Der designierte Staatsminister Ronald Rauhe (Mitte) mit dem Präsident des LSB Berlin, Thomas Härtel (links) und dem amtierenden Regierenden Bürgermeister Berlins, Kai Wegner. Foto: LSB Berlin

Berlin, 3. September. Der Nachfolger der Staatsministerin für Sport und Ehrenamt, Christiane Schenderlein, ist endlich gefunden: Nach langer Vakanz wird auf dem über vier Wochen lang verwaisten Stuhl der Kanu-Olympiasieger Ronald „Ronny“ Rauhe Platz nehmen. Der Neue wurde am Donnerstag von Bundeskanzler Friedrich Merz im Kanzleramt vorgestellt, der sich freute „Ronald Rauhe für dieses Amt gewinnen zu können.“

 

Hurra, es ist ein Junge!“, möchte man fast rufen. Nun ist er da: Der 44-jährige gebürtige West-Berliner Rauhe, der nationale und internationale Titel im Einer- und Zweier- sowie-Vierer-Kajak sammelte wie andere Bierdeckel (fünf Olympia-, 26 Weltmeisterschafts-, 27 Europameisterschafts-Medaillen), ist wieder eine Überraschung, die der Kanzler aus dem Hut zaubert. Ihn hatte wohl wieder niemand auf dem Schirm – wie schon seine Vorgängerin.

Schwierige Suche

Bundeskanzler Friedrich  Merz hatte es sich wohl einfacher vorgestellt, für die ohne Not abgelöste Staatsministerin eine Nachfolge zu finden. Schließlich sei das ein attraktives Amt, wurde bei der Installation immer wieder betont. Und der Sport bekomme damit die Bedeutung, die er in der Gesellschaft haben müsse. Nach persönlichen Gesprächen mit potenziellen KandidatInnen fiel nun die Wahl des Kanzlers auf den gebürtigen Spandauer – ohne Parteibuch, aber mit viel Spitzensport-Kenntnis.

Wer ist dieser Mann, der im RKV Berlin und KC Potsdam seine sportliche Heimat hat und sich nun auf das sportpolitische Parkett wagt – ohne politische Erfahrung?

Der Sportsoldat mit Dienstgrad Hauptfeldwebel kennt den Spitzensport aus dem effeff.

Als Kind kam er über seine Eltern zum Kanusport – sein Vater war sogar deutscher Meister. Er wuchs mit Spitzensport auf und in ihn hinein, kennt alle Höhen und Tiefen, die man durchlebt, um endlich auf dem ersehnten Olympischen Treppchen zu stehen.

Erfolg im vermeintlichen Randsport

Nun betrieb er eine Sportart, die nur bei Olympischen Spielen immer eine gewisse Popularität erreicht und in den Fokus der Medien gerät, weil deutsche KanutInnen immer eine Medaillenbank sind. Ansonsten bleibt der Kanu-Spitzensport zumindest medial eine Randsportart, ist aber beliebt als Freizeit- und Breitensport.

Vielleicht war das der Antrieb Rauhes, an der Universität Potsdam Sportmarketing zu studieren.

Sachkenntnis

Wie auch immer: Rauhe kennt sich im Spitzensport aus, kennt Sorgen und Nöte der Aktiven und weiß, wo Stellschrauben etwa in den Verbänden angesetzt werden müssen, um mit dem deutschen Sport in die Erfolgsspur zurückzukehren. Er dürfte für die AthletInnen eine gute Wahl als Sportminister sein. Ob der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und seine Verbände einen ministeriellen Athleten nun so gut finden? Mal abwarten. Wer sein Buch „In einem Boot – Warum Leistungssport so wichtig für die Gesellschaft ist“, liest, das er mit Andreas Matle geschrieben hat, der weiß, dass man ihm kein X für ein U vormachen kann. Sachkenntnis vorhanden!

Ronny Rauhe beendete 2021 in Tokio bei den Olympischen Spielen seine Karriere – ein besonders Dankeschön und eine Annerkennung von Team D war, dass er dort als deutscher Fahnenträger für die Schlussfeier gewählt wurde.

Sport ist sein Ding

Sport war und ist sein Ding. Manchem ist Ronny Rauhe als TV-Experte im ZDF bekannt. Andere verpflichten ihn als Keynote-Speaker. Sein Wissen, auch technisches Knowhow bringt er bei der Zusammenarbeit mit dem Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) ein. Es entwickelte ein Carbon-Boot für die Nationalmannschaft, das bei den Spielen in Paris 2024 eingesetzt wurde. Nicht zuletzt baute man auf der Südtreppe im Kanzleramt, wo der Kanzler ihn vorstellte, Geräte aus der FES-Werkstätte im Hintergrund auf, die mit viel Steuergeld entwickelt werden.
Rauhe sieht nun als seine erste Aufgabe: Olympia: „Wir wollen Olympische und Paralympische Spiele wieder nach Deutschland holen“ sagte er bei seinem Statement mit dem Kanzler. „Wir wollen Deutschland wieder zu einer der erfolgreichsten Sportnationen der Welt machen“ und er weiß auch, wie wichtig das Ehrenamt ist: „Sport und Ehrenamt können unser Land stärker machen.“ Na, dann Ärmel hoch und los….

Der zweifache Vater, der mit seiner Kanu-Kollegin Fanny Fischer verheiratet ist, hat sich auch sehr für die Bewerbung um die Olympischen Spiele in seiner Heimatstadt eingesetzt. Nun wird er ab heute eine andere Rolle einnehmen müssen: Nicht als der engagierte Pro-Berlin- Kämpfer, sondern als neutraler Sportminister.

Das kriegt er hin

So wie Menschen ihn beschreiben, die mit ihm zusammenarbeiten und die ihn gut kennen, wird er das problemlos hinkriegen. Thomas Härtel, Präsident des Landessportbundes Berlin, freute sich über die Wahl: „Ich bin überzeugt, dass er diese Aufgabe gut erledigen wird,“Bei seinen ersten, sicher nicht einfachen Schritten durch verwaltungstechnisches, parlamentarisches und politisches Terrain wird ihn das Team um Abteilungsleiterin Babette Kibele unterstützen.

Ronald Rauhe, der nicht nur kommunikativ und inhaltlich stark auftritt, könnte auch eine Integrationsfigur sein, wenn es ihm gelingt, das sportpolitische Feld zu befrieden. Denn in den letzten Jahren ist ja viel sportpolitisches Porzellan zerdeppert worden: Der DOSB stellte sich als sturer Verhandlungspartner dar, dem es nur um Eigeninteressen und Machterhalt ging – wobei der Spitzensport samt AthletInnen und TrainerInnen auf der Strecke blieben. Rauhe steht für Teamgeist, ist verlässlich, lässt sich beraten und hört zu.

Für seine Vorgängerin galt das auch – sie hatte aber den Nachteil, dass sie keinen Sport-Stallgeruch hatte. Und die „Sportfamilie“ und ihre diversen – nennen wir sie mal charmanten – Eigenheiten nicht so gut kannte. 

Vielleicht ist es als gutes Omen zu werten, dass Ronny Rauhe am 3. Oktober geboren wurde, dem Tag der Deutschen Einheit. Denn Einheit und Zusammenhalt braucht nicht nur das Land, sondern auch der deutsche Sport, will er endlich wieder die gesellschaftliche Rolle einnehmen, die er einmal hatte. Dafür soll nun Staatsminister Ronald Rauhe sorgen.
Die Reaktionen aus Politik, Sport und sozialen Insitutionen sind im Minutentakt im Netz nachzulesen und überwiegend positiv. Die Glückwünsche etwa von Athleten Deutschland, der SPD-Fraktion und deren sportpolitischer Sprecherin Bettina Lugk oder der Caritas für den neuen Staatsminister sind aber auch mit Erwartungen an ihn formuliert.