Ein Fall für Zwei oder die Suche nach neuen Ufern

Als die Sportorganisationen DSB und NOK den Ansprüchen und Anforderungen nicht mehr genügten und aus ihnen der DOSB wurde

Berlin, 22. März. – Am 20. Mai 2006 wurde in der Frankfurter Paulskirche mit großem Pomp und Pathos die Fusion zwischen dem Deutschen Sportbund (DSB) und dem Nationalen Olympischen Komitee (NOK) von Deutschland zum Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) vollzogen.Zehn Jahre später herrscht eher Katzenjammer als Begeisterung, denn die erhofften Effekte durch die vielzitierte „Bündelung der Kräfte“ blieben aus. Die Fusion konnte die Talfahrt des deutschen Sports nicht stoppen.

Als Allheilmittel für die Probleme des deutschen (Spitzen-)Sports wurde der Zusammenschluss verschrieben – aber das Medikament zeigte wenig Wirkung. Abgesehen davon, dass mehr mediale Showeffekte und Aktionismus als neue Antidepressiva eingesetzt wurden, blieb im Wesentlichen alles beim alten.

Die Fusion ist nie wirklich umgesetzt worden.“ Manfred von Richthofen, der verstorbene DSB-Präsident und Befürworter der Vereinigung, war nicht der einzige, der mit „großer Sorge“ sah, wie sich die Sache entwickelte. Kurz vor seinem Tod stufte er die Aktion als „Scheitern des DOSB und persönliche Enttäuschung“ ein. Und musste zugeben, dass sein ehemaliger Gegner, Walther Tröger, der bis 2002 NOK-Präsident war, am Ende doch Recht behalten hat.

Fusion als Notoperation

Warum wollte man eigentlich fusionieren? Auf den ersten Blick schien ein Zusammenschluss nicht nur ratsam, sondern auch notwendig: Dem Spitzensport, der nach der deutschen Einheit vor allem durch die Edelmetallsammler aus der DDR noch einmal zu einem kurzen Höhenflug angesetzt hatte, ging die Puste aus, und er kränkelte vor sich hin. Die Therapie mit ständig wechselnden Förderkonzepten schlug nicht an. Mangelnde Erfolge, flaue Talentsuche und -förderung, Athleten mit wenig Perspektiven nach der Karriere, finanzielle Engpässe, Auseinandersetzungen um Nominierungen und Sponsoren, unübersichtliche und ungenutzte Trainingsstrukturen, eine unbewegliche Organisation und ständiger Ärger mit der Kakophonie, wer denn nun für den deutschen Sport spricht, wurden als erkennbare Symptome diagnostiziert. Und schienen eine Fusions-Notoperation mit anschließenden Reha-Maßnahmen unausweichlich zu machen. Für die Öffentlichkeit hieß das Bulletin: „Kräfte bündeln und mit einer Stimme sprechen.“

Das Reduzieren auf Symptome war vielen in den Mitgliedsorganisationen zu wenig. Nicht nur Tröger war der Meinung, dass „man eine Fusion, die mit heißer Nadel gestrickt wird“, gleich bleiben lassen könne. Auch viele Fachverbände und Landessportbünde wehrten sich gegen einen „unausgegorenen Schnellschuss“. Was man brauche, sei eine gesamtdeutsche Runderneuerung. Darunter stellten sich die Mitgliedsorganisationen vor, dass endlich eine Diskussion darüber geführt würde, welchen Sport sich diese Republik leisten wolle, und man eine inhaltliche und strukturelle Konzeption erarbeitet, die am Ende allen zu Gute kommen sollte. Diese Chance habe man bei der Vereinigung verpasst.

Hörmanns Forderung

Ein Kritiker von einst muss sich heute mit den Folgen der Fusion auseinandersetzen: DOSB-Präsident Alfons Hörmann. Damals war er Präsident des Deutschen Skiverbandes, ausgewiesener Fusionsgegner und Wortführer der widerspenstigen Wintersportverbände, und verlangte: „Wir fordern die Verantwortlichen von DSB und NOK noch einmal eindringlich auf, gemeinsam mit dem Spitzensportverbänden und Landessportbünden eine sinnvolle und zukunftsorientierte Struktur zu entwickeln und den Fusionsprozess noch einmal tiefgründig ziel- und ergebnisorientiert zu diskutieren.“ Eine vernünftige, auch heute noch aktuelle Forderung, die aber ungehört blieb, weil andere Interessen nach Fusion verlangten.

Im Vorfeld der Vereinigung zurrten und zerrten nämlich schon andere die Seile fest, an denen sie sich zu unterschiedlichen Gipfeln zielsicher hangelten – und denen es nicht schnell genug gehen konnte. Dabei soll es, so versichern jene, die dabei waren, hinter den Kulissen mit harten und unfairen Bandagen in diversen Seilschaften zugegangen sein. Der damalige Präsident des Landessportbundes Berlin, Peter Hanisch, ereiferte sich über die Art der Verhandlungen im „Tagesspiegel“. Diese „seien Höhepunkt einer von langer Hand geplanten Täuschung der Landessportbünde.“

Richthofen musste damals gegen scharfen Gegenwind ankämpfen. „Man kann so eine Geschichte auch tot diskutieren. Und ich möchte mir dieses Gequatsche ersparen. Alle müssen sich über die Konsequenzen im klaren sein, wenn die Fusion nicht klappt“, wetterte er in einem AP-Interview, als die Fusion kurz vor dem Kippen war.

Verlierer und Gewinner

Konsequenzen des Scheiterns – so hatte Richthofen sich das nicht vorgestellt. Die Verlierer dieser Fusion waren der deutsche Sport und der DOSB. Aber es gab auch einen großen Gewinner: Thomas Bach, der den neuen DOSB als Sprungbrett für seine olympischen Träume nutzte. Mit strategischen und taktischem Geschick im Hintergrund hatte er seine Vorstellung von einer „modernen Sportorganisation“ durchgesetzt, und sein Präsidenten-Intermezzo im DOSB erfolgreich inszeniert, um dort anzukommen, wo er schon immer hin wollte: Auf den Präsidentenstuhl des Internationalen Olympischen Komitees.

In seiner Fusionsrede hatte der Mann aus Tauberbischofsheim mit großen Ambitionen pathetisch angekündigt: „Der deutsche Sport bricht auf zu neuen Ufern. Wir wollen Neues wagen, ohne den Boden unter den Füßen zu verlieren.“ Und: „Der DOSB ist nicht Sache einiger weniger, der DOSB ist die Sache aller, die sich um den Sport bemühen.“

Falsch. Der DOSB war plötzlich doch Sache einiger weniger, vor allem die Sache eines Duos, ein neuer Fall für Zwei: des Präsidenten Thomas Bach und seines auserwählten Generaldirektors Michael Vesper. Der meist durch die Welt jettende oder in Lausanne weilende Bach überließ seinem Statthalter Vesper, der im Oktober 2006 ins Frankfurter Haus des Sports in die Otto-Fleck-Schneise einzog, das Tagesgeschäft und – den DOSB.

Enges Zeitfenster

Vesper verbrachte die erste Zeit vor allem mit hemdsärmligen Auf- und Umräumarbeiten, was er mit „Verschlankung der Operative“ umschrieb, die nicht nur in seinem Geschäftsbereich und Vorzimmer misslang. Alle zwei Monate gaben sich der Präsident und sein Verwalter Vesper die Ehre, den Rest des Präsidiums über den Stand der Dinge zu unterrichten. Inwieweit das Präsidium in dieser Zeit wirklich mitbestimmen und entscheiden konnte, darüber gibt es unterschiedliche Aussagen und Interpretationen des Begriffes „Diskussion“ von Beteiligten. Präsidiumssitzungen wurden häufig mit Hinweis auf das enge Zeitfenster des Präsidenten abgewickelt.

Kammer des Schreckens

Während sich in den Fachverbänden und Landessportbünden die Begeisterung für die Fusion relativ schnell legte, wenn sie denn überhaupt da war, gab sich Vesper euphorisch: „Die Fusion war und ist ein Erfolg“, diktierte er nach einem Jahr in die Journalisten-Blöcke, überzeugt, dass er alles richtig macht. Das sahen die Mitarbeiter anders. Das Haus des Sports war für viele zur „Kammer des Schreckens“ geworden. Und der „Unausstehliche V“ schwebte wie das drohende Unheil über ihnen. Nicht weil Arbeitsplätze gekürzt wurden, nicht weil Ressorts umstrukturiert und Aufgaben umverteilt wurden. Nein: Umgangston und Umgangsformen des Direktors sorgten für viel Unmut und schlechte Stimmung.

Der Quereinsteiger entpuppte sich als absoluter Kontrollfreak, der auch den erfahrensten Mitarbeitern offensichtlich nichts mehr zutraute und aufs Gemüt schlug. Sprach man Bach auf die schlechte Stimmung an, reagierte er gereizt.

Mister DOSB

Auf der DOSB-Internetseite kann man in einem (Selbst-?)Portrait über Vesper lesen: „Wenn man so will, hat sich Michael Vesper Zeit seines Berufslebens für jene Position qualifiziert, die er jetzt seit 2006 ausfüllt. Seitdem liegt Vespers Aufgabe unter anderem darin, die gesellschaftliche Bedeutung des Sports zu bestärken und zu betonen. Wer sonst hätte sich derart für diese Aufgabe angeboten?“

Ja, wer sonst als Mister DOSB!? Mit seinen Auftritten lässt er nie auch nur einen Hauch von Zweifel an seiner Meinung und seinen Entscheidungen aufkommen. Der Ex-Minister Vesper weiß genau, wie er sich in Stellung und ins beste Licht bringen kann. Mechanismen, die in der Politik funktionieren, sind auch im Sport unschlagbar. Beispiel: Auf kritische Fragen nicht oder was ganz anderes zu antworten – es funktioniert.

Die Fusion war für die Macher Bach und Vesper vor allem gleichzusetzen mit Spitzensport und Großveranstaltungen. Unter der Ägide Bach, der sich heute als IOC-Boss offensichtlich für DOSB-Angelegenheiten weiter interessiert, und seinem hauptamtlich Verantwortlichen Vesper, reih(t)en sich Fehlschläge wie Perlen an einer Kette. Misserfolge wurden schön geredet oder abgeschüttelt. Die olympischen Bewerbungs-Pleiten waren Schuld von ignoranten BürgerInnen, der Flüchtlingskrise, der FIFA oder IAAF. Oder der Bundespolitiker, allen voran die Kanzlerin, die sich den hehren olympischen Ansinnen nicht nur finanziell versag(t)en. In diese Art der Problembewältigung hat sich der jetzige DOSB-Spitzenmann nahtlos eingereiht. Scheitern mit Ansage: Wer andere nicht mitnimmt, sie nicht ausreichend informiert, Transparenz nur einfordert, selbst aber von demokratischer Streitkultur und Mitbestimmung nichts hält, der wird allein und derangiert an neuen Ufern landen.

In die Ecke gestellt

Vesper scheiterte in letzter Zeit immer öfter auf der Bühne, die er kennt und deshalb hätte richtig einschätzen müssen. Nicht die Sportfunktionäre, sondern die Politiker in Berlin waren am Ende diejenigen, die ihn, den großen „Nulltolleranz-Prediger“ und somit den DOSB mit einem Dopinggesetz in die Ecke stellten. Politiker und Beamte aus dem Bundesinnenministerium (BMI) vermitteln in der Öffentlichkeit – gewollt oder nicht – den Eindruck, dass sie nun federführend ein neues Spitzensportförderprogramm erarbeiten – unter wohlgelittener Beteiligung des DOSB, der sich vor und nach den Spielen in London 2012 mit seinem Zielvorgaben-Debakel blamierte.Und im BMI wurde zum wiederholten Mal die Idee von einem Sportministerium laut gedacht. Der DOSB scheint sich selbst und den gern zitierten Verweis auf die Autonomie des Sports überflüssig zu machen. Und seinen Einfluss auf die Politik(er) ad absurdum zu führen.

Wer hat`s erfunden?

Vesper, kaum Generaldirektor, wusste sofort ganz genau, wie das im Sport läuft. Schnell kursierte der Spruch: „Wer hat den Sport erfunden? Vesper hat’s erfunden!“, mit dem sich einige Luft machen wollten über den „beratungsresistenten Besserwisser“. Spitzensport war von Anfang an das gepuschte Thema Bachs und Vespers. Der DOSB – ein brillanter Spitzensportverband mit beispielhaften Erfolgs-Instrumentarien, das wäre schlagzeilenträchtig, imagefördernd und eine gute Geschäftsbasis mit Wirtschaft, Politik und Medien. Deshalb: Trommeln! Der stets gegenwärtige Vesper haute lautstark auf die Pauke und machte damit bei vielen im Sport und auch auf der Berliner Bühne zunächst Eindruck. Und startete einen Ego-Trip der besonderen Art. Sein Chef antichambrierte auf der von Vesper wohl vorbereiteten Polit-Bühne. Bach war zufrieden und stellte ihm in einem Interview im Dezember 2006 folgendes Zeugnis aus: „In Dr. Vesper haben wir einen sehr erfahrenen und tatkräftigen Mann für uns gewonnen (…). Wir wollen in der veränderten Organisation schnell so schlagkräftig sein, um unser neues Arbeitsprogramm zielstrebig umsetzen zu können unter Einbeziehung aller Erfahrungen unserer Mitarbeiter. Darauf legt das Direktorium sehr viel Wert. Dr. Vesper hat die interne Führung im Haus des Sports jedoch genauso konsequent und engagiert angepackt, wie er sich in den wenigen Wochen seines Wirkens auf sportpolitischem Parkett glänzend bewährt hat.“

Wer Sportpolitiker in Berlin nach Vesper fragt, bekommt als Antwort häufig ein Stirnrunzeln. Oder Schnappatmung. Der frühere Generaldirektor, der sich zum gut dotierten DOSB-Vorstandsvorsitzenden katapultierte, war zu seinen Anfangszeiten wortgewaltiger Türöffner. Heute wird er eher „erduldet“. Er habe durch sein penetrantes, oft unverschämtes Auftreten viel kaputt gemacht, sagen beispielsweise Mitglieder des Sportausschusses, den er seinerseits wohl eher als lästiges Übel betrachtet.

Mittleres Unternehmen

Zum Thema gelungene Fusion verweist Vesper immer auf gelungene Umstrukturierungen. Der Wirtschaftsanwalt Bach und der Unternehmer Hörmann beschreiben den DOSB gerne als mittleres Unternehmen. Sportwissenschaftler und Sportökonomen sagen, das sei paradox: Ein Unternehmen ist auf Gewinn ausgerichtet, was eine Nonprofit-Organisation (NPO) wie der DOSB nicht sein darf. Insofern verböten sich der Vergleich und erst recht das Ansinnen, wenn man ein NPO bleiben wolle. „Schließt die Gemeinnützigkeit eine leistungsfähige und wirkungsvolle Führung eines Verbandes aus?“, fragt Bach gerne zurück.  „Moderne Führungsstrukturen sind für Verbände wie Greenpeace oder DOSB genauso wichtig wie für Unternehmen. Im Verhältnis zu den Mitgliedern erfolgt jedoch im offenen Dialog eine Meinungsbildung, wie sie in Unternehmen nicht geschieht“, sagte er nach einem Jahr Fusion.

Dass Führungsstrukturen den Bedürfnissen einer Organisation angepasst werden sollten, bestreitet niemand. Ob es allerdings nötig und vor allem klug war, mit Präsidium und Vorstand eine doppelte Führungsstruktur einzuführen, darüber scheiden sich die Geister. Mit dieser Doppelführung habe der DOSB ein fürchterliches Signal an die Mitglieder und vor allem an alle Ehrenamtlichen ausgesandt, urteilen Experten. Hochbezahlte Hauptamtliche machen keinen guten Eindruck, wenn ansonsten für viele Dinge im Sport kein Geld da ist, so die Fachleute.

Wissenschaftler halten Versuche, ein Konstrukt des organisierten Sports wie den DOSB (mit 16 Landessportbünden, 62 Spitzensportverbänden – davon 34 olympischen, 20 Verbänden mit besonderen Aufgaben, drei Akademien, eine Stiftung) zu einem Unternehmen umbauen zu wollen, für ein „riskantes und nahezu unmögliches Unterfangen“.Warum? Die deutsche Vereins- und Verbandswelt ist nicht nur einmalig auf der Welt, sondern sie hat viele Tücken. Nicht selten seien es juristische Gratwanderungen für eine NPO, sich auf unternehmerische Pfade zu begeben – und gemeinnützig zu bleiben. Und mit Pseudomaßnahmen wie Aufsichtsräten oder Compliance-Abteilungen wolle man offensichtlich neue Stärken und Erfolg vermitteln, die der Sport ja auf vielen Ebenen habe. Fair play im Sport brauche aber kein Placebo wie good governance.

Nur Spitzensport und Olympia

Der DOSB habe sich seit der Fusion fast nur mit sich selbst beschäftigt oder für den Spitzensport stark gemacht, sagen Kritiker. „Das Olympische im neuen Namen war das alles bestimmende Credo“, klagt ein Landessportbund-Vertreter.

Gesellschaftspolitisch hat der DOSB, wenn überhaupt, nur noch eine leise Stimme. Jüngstes Beispiel: Flüchtlinge. Während Vereine und Verbände schon lange in Bewegung waren, kam der DOSB sehr spät aus den Puschen.Was nicht an den MitarbeiterInnen lag. „Breitensport“ ist auf der Prioritätenliste der Führungscrew nun nicht auf den ersten Plätzen. Dieses Kerngeschäft, für das der DSB einst gegründet wurde, überlässt man gerne den Landesportbünden und Vereinen. Es sei denn, eine gescheiterte Olympia-Bewerbung ist zum Imageschaden geworden, dann werden für die DOSB-Bosse auch Flüchtlinge interessant.

Sport für alle

Positive Schlagzeilen könnte der DOSB täglich haben, wenn er sich auch mal auf sein Kerngeschäft besinnen würde, eben den „Sport für alle“, wie eine der letzten großen Kampagnen hieß. Im Haus des Sports gibt es viel Potential, Erfahrung, Fachwissen und Kreativität, auf die man zurückgreifen könnte, um relevante Themen umzusetzen. Aber will man das auch? Im DSB gab es noch einen wissenschaftlichen Beirat, der Inhalte und Themen erarbeitete und begleitete. Und regen Austausch mit führenden nationalen und internationalen intellektuellen Köpfen. Heute scheint der DOSB sich auf trendsettende PR-Agenturen zu verlassen. Damit ist er nicht immer gut beraten, wie die verunglückte Begriffs-Kreation „Sportdeutschland“ zeigt.

Fachfremder Einfluss ist auch bei Projekten mit Ministerien oder Sponsoren – die diese zum Großteil finanzieren – zu beobachten. Da steckt der Sport zurück, lässt sich als Vehikel für Interessen anderer benutzen. Ein Marketing-Experte spricht von Image-Mogelpackungen, einem Hochglanz-Aktionismus, mit dem man punkten kann. Man könnte diesen kostspieligen Trend auch als teuere Projektseuche mit wenig inhaltlicher Substanz wenig schmeichelhaft umschreiben. So what?

Kasse füllen

Apropos teuer. Auch die Finanzen waren einst Fusionsgrund. Auf der Mitgliederversammlung 2015 gab Schatzmeister Stephan Abel bekannt, dass man ein Haushaltsdefizit bis 2017 von 1,8 Millionen Euro zu beklagen habe. Gründe für das Minus: höhere Kosten beim Neubau der DOSB-Zentrale und weniger Einnahmen aus der Glücksspirale. Eine Erhöhung der Mitgliedsbeiträge ist unausweichlich.

Noch wissen das die Mitglieder nicht wirklich. Wie bringt man es ihnen bei? Darüber sprechen? Offene Gespräche gebe es seit DOSB-Bestehen so gut wie nicht mehr, sagen Betroffene. Der DOSB pflege eine absolutistische Hinterzimmerdiplomatie, wo kein Platz für konstruktiven Meinungsaustausch oder intellektuelle Streitkultur ist.

Neue Untersuchung

Rumoren in den Mitgliedsorganisationen. Das ist auch ein Grund, warum der DOSB das zehnjährige Bestehen und die  vermurksten Olympiabewerbungen zum Anlass nimmt, sich selbst auf den Prüfstand zu stellen. Unter dem Titel „Anstoß 2016“ ist eine Aufgaben- und Effizienzanalyse angeleiert. Zum wiederholten Mal. Keine schlechte Idee sei das, sich von einem neutralen Unternehmen durchleuchten zu lassen, meint Christoph. G. Grimmer vom Institut für Sportökonomie, Sportmanagement und Sportpublizistik an der Uni Tübingen.Aber das Sportsystem habe doch gewisse Eigenheiten.

Ob da die renommierte Unternehmensberatungsfirma Ernst & Young die richtige Wahl ist? Ach so! Mitarbeiter der DOSB-Führungsakademie sollen in sportfachlichen Fragen bei dem Check assistieren. Was dann soviel heißt: Der DOSB untersucht sich selbst mit. Im Juli soll die Ist-Analyse vorgestellt werden. Erwartungen? „Ergebnisoffen“, sagt der zuständige Finanzvorstand Thomas Arnold. Kritiker erwarten eigentlich „nix“. Obwohl – nach Fusions-Plan A, sei eine zweite Stufe B mit neuen verpuffenden Blendwerken zu befürchten.

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Diesen und weitere Beiträge zur Fusion können Sie in der neuen Ausgabe der Zeitschrift „Olympisches Feuer“ der Deutschen Olympischen Gesellschaft (DOG) lesen.

http://www.dog-bewegt.de/olympisches_feuer_news.html

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