Zwei am Start und Kay wartet in der Kiste

DOSB:Präsidentensuche und die Geschichte über merkwürdige Findungskommissionen 

Berlin, 25. Oktober. Mal wieder auf der Suche nach einem Präsidenten oder einer Präsidentin ist der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB). Am 5. Dezember soll diese/r die Nachfolge von Thomas Weikert antreten, der sich eine lange Bedenkzeit für die Beantwortung der Frage genommen hatte, ob er nochmal antreten wird. Doch der Nachfolge-Kampf um das höchste Amt im organisierten deutschen Sport ist hinter den Kulissen schon lange im Gange. Und das Geblubbere unter der Sportblase  erinnert irgendwie an den Zeichemtrickfilm „Findet Nemo“. Warum wohl?

Nicht zuletzt der Wettbewerb um die Kandidatur für Olympische und Paralympische Spiele wurde auch zu einer Art Testlauf und Machtgeplänkel mit Geschmäckle für potentielle Anwärter auf das Präsidentenamt. Von wegen „Wahrheit, Klarheit, Transparenz“ – schönen Gruß vom Ex-Präsidenten Alfons Hörmann. Es wird von einigen geklüngelt, gemauschelt, versprochen, intrigiert, um eigene Interessen bestens zu platzieren. Es ist halt wie immer in deutschen Funktionärskreisen, wenn es um Posten- und Pöstchen-Vergabe geht. Bis kommenden Freitag, 30.Oktober, haben nun Verbände die Möglichkeit, KandidatInnen für das DOSB-Präsidentenamt vorzuschlagen. Bisher sind zwei, Michael Mronz und Martin Engelhardt, offiziell im Rennen, werben persönlich bei Verbänden. Aber vielleicht kommt noch ein Kai aus der Kiste …. zumindest munkelt man, es könnten da noch welche kommen.

Seit der Gründung des DOSB vor 20 Jahren in der Frankfurter Paulskirche gab es drei Präsidenten: Thomas Bach, Alfons Hörmann und Thomas Weikert. Alle drei wurden von offiziellen Findungskommissionen vorgeschlagen. Wobei das „offiziell“ sich auf die Installation des Gremiums bezieht, dieses aber bei so mancher Frage zu Themen wie Mitbewerbern, Auswahl oder Transparenz also dazu, wie es denn letztendlich zur Kür des Erwählten kam, offiziell sehr maulfaul blieb.

Die Suche nach dem DOSB-Gründungspräsidenten war alternativlos: An Thomas Bach ging kein Weg vorbei. Der Vorsitzende der damaligen Findungskommission, die noch der Deutsche Sportbund und das Nationale Olympischen Komitee von Deutschland einrichteten, der geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger, sagte damals: „Für das Amt des Präsidenten haben wir eine Person gesucht, die sich im Sport auskennt, die sich international engagiert und die das Prinzip der Ehrenamtlichkeit trägt. Um es klar zu sagen: In Dr. Thomas Bach haben wir den Besten nominiert, den wir in Deutschland finden konnten.“ Sieben Jahre später, sechs Tage nach seiner Wahl zum Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees(IOC) legte Bach sein DOSB-Amt nieder.

Suchtrupp im Verborgenen

Bei der Wahl seines Nachfolgers Alfons Hörmann verschwand der Präsidenten-Suchtrupp wieder hinter verschlossenen Türen und kam im Verborgenen zu dem Ergebnis, dass unter den AnwärterInnen, zu denen  u.a. auch die Schwimmpräsidentin Christa Thiel und Basketball-Chef Ingo Weiss gehörten, der Allgäuer Geschäftsmann und Ski-Präsident der Beste für die Führung des deutschen Sports sei.

Mit dessen Amtsführung waren viele Mitgliedsorganisationen nach  einiger Zeit nicht mehr zufrieden und überlegten, Hörmann abzulösen. Es bildeten sich Grüppchen, die Hörmann stürzen wollten. Als Kandidaten im Gespräch: Thomas Weikert und Martin Engelhardt. Weikert, damals Präsident des Internationalen Tischtennisverbandes, sah seine Zukunft noch international und lehnte ab. Der renommierte Orthopädie-Professor und Präsident der Deutschen Triathlon Union (DTU) Engelhardt, trat am 2.Dezember 2018 bei der Mitgliederversammlung in Düsseldorf als Gegenkandidat an, wobei ihn diejenigen, die ihn vorher noch als Herausforderer  sehen wollten, im Regen stehen ließen.

Stolpernder Hörmann

Hörmann stolperte dann wie bekannt nicht über einen Gegenkandidaten, sondern über sich selbst und einen anonymen, von Mitarbeitern geschriebenen Brief aus dem Haus des Sports. Nach einer unschönen langen Phase des Windens, Abstreitens, nach Schuldzuweisungen und haltlosen Verdächtigungen gegenüber Außenstehenden, war Hörmann schließlich nicht mehr zu halten.

Und wieder begab sich eine Findungskommission – angeführt vom unvermeidlichen Ingo Weiss, der in diversen Rollen in den letzten Jahrzehnten am Personalkarussell immer heftig mitdrehte, auf die Fährte. Auch der bayerische Landessportbund-Vorsitzende Jörg Ammon wurde entsandt, um mit auf die Suche nach dem Spitzenmann oder der Spitzenfrau zu gehen..

Ganz groß wurde nun der Spähtrupp besetzt: Drei Arbeitsgruppen verständigten sich auf eine Findungskommission, die Ex-Bundespräsident Christian Wulff leitete. Neben Weiss, Ammon und der unverzichtbaren Barbara Oettinger, der Vorsitzenden der Nichtolympischen Verbände, holte man sich noch die Wirtschaftsprofessorin Veronika Grimm, den damaligen Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken,Thomas Sternberg, sowie Kirsten Hasenpusch aus dem Vorstand der Deutschen Sportjugend an die Seite.

Übermensch gesucht

Über das damals formulierte Stellen- und Aufgabenprofil, das mit der Düsseldorfer Personalagentur Headsahead erarbeitet wurde, amüsieren sich heute noch viele inner- und außerhalb des  Sports. Man suchte laut Ausschreibung einen Supermann oder ein Supergirl. „Jemand den wir uns erst mal backen müssen“, waren sich viele einig. Weiss dämpfte die hochgeschraubten Ansprüche: „Das ist natürlich der Idealkandidat oder Idealkandidatin. Es wird vermutlich niemanden geben, der das 1:1 abbildet.“ Wie wahr – auch im Sport sind Übermenschen eher selten.

Am Ende landeten dann drei in der Endrunde: Fechtpräsidenten Claudia Bokel,  der Ex-Parlamentarische Staatssekretär Stephan Mayer (der vor der Entscheidung die Kandidatur zurückzog, aber sich als Vize wählen ließ) und Thomas Weikert, der es dann wurde.

Demokratischer Prozess?

Drei offizielle Gremien und Findungsprozesse, die den Anschein eines demokratischen Prozesses haben, werfen die Frage auf, ob man auf diesem Weg wirklich die Kandidaten findet, die eine Organisation wie der DOSB braucht.

Es ist ja nicht mehr die Zeit, wo man jemanden hinsetzt, der nur die Ochsentour im Sport hinter sich hat. Die Aufgaben sind mehr und anspruchsvoller geworden, nicht nur finanziell, sondern auch zeitlich muss man sich ein Ehrenamt auf dieser Ebene auch leisten können. Es ist wohl mehr noch als zu DSB und NOK Zeiten wichtiger, Menschen zu finden,  die beruflich wie finanziell unabhängig sind, die politisch und gesellschaftlich über den Sport-Tellerrand schauen und den Sport in dieses Gesamtgefüge einbetten.  Da hatte man in den letzten Jahren ein großes Manko im DOSB, weil die Führungspersonen die Sportpolitik nicht nur PolitikerInnen überließen, sondern die Vordenker in vielen Fragen, die für die Zukunft  des organisierten Sports überlebenswichtig sind,  die Vereinigung Athleten Deutschland war. Sie griff Themen auf, die den Sport insgesamt und die AthletInnen im besonderen betrafen, während der DOSB seinen Stapel an unerledigten Aufgaben vor sich herschob. Und sich mit sich selbst beschäftigte, Vorstandsvorsitzende austauschte, auf gesellschaftliche Trends aufsprang, ohne selbst mal wirklich neue Ideen zu entwickeln. Oder im eigenen Archiv nachzuschauen, ob die kreativen Vorschläge, die man da nun als super neu verkaufte, nicht schon erfolgreiche Projekte waren, die man nur verdrängt hat?! Dann überdeckte und verdrängte alles die Olympiabewerbung.

Wie weiter also? Auf keinen Fall ein weiter bisher. Oder doch wieder?

Die jetzige Suche nach einer/einem neuen DOSB- Anführer oder -Anführerin beendet dieses Grübeln nicht, ganz im Gegenteil. Da sollte also nun in Oberhaching bei München die ordentliche Mitgliederversammlung von Landessportbünden und Spitzenverbänden vorbereitet  werden. Und dabei auch der Weikert-Nachfolger oder die Nachfolgerin nominiert  werden – so dachte sich das jedenfalls die selbst installierte Findungskommission. Aber aus der glanzvollen Proklamation für den ausgedeuteten Kandidaten wurde nichts. Denn die Königsmacher stießen auf vehementen Widerstand aus den eigenen Reihen. Viele Spitzen – und Landessportverbände sind überhaupt nicht d’accord mit dem Kandidaten Michael Mronz und seinem Schattenkabinett. Sie wollen also nun bis zum Frist-Ende, dem 30.Oktober, warten. Es soll eventuell noch potentielle Anwärter geben – jedenfalls wird das auf dem Flurfunk erzählt.

Nicht vertrauensbildend

Der DOSB feiert sich gerne als größte Personenvereinigung der Republik. Aber um diese erfolgreich zu führen, zurück zur gesamtgesellschaftlichen, verantwortungsvollen Rolle zu finden, braucht es geeignete, integre und zukunftsorientierte Führungspersönlichkeiten. Dafür braucht es aber auch Vertrauen in den DOSB, das dieser aber in den letzten Jahren verspielt und bisher nicht zurückgewonnen hat.

So ist es auch nicht vertrauensbildend und bringt den eigenen Laden in die Bredouille, wenn ein Präsident ankündigt, nach den Olympischen und Paralympischen Winterspielen in Mailand im Februar sich zu erklären, ob er noch mal antritt. Und dies erst erst nach sieben Monaten Nachdenken tut, weil…? Hat er gedacht, da geht noch was? Obwohl er wusste, dass das Gros der Mitgliedsorganisation ihn nicht mehr wählen wird?

Eigentlich wäre es ja Aufgabe des DOSB, seines hauptamtlichen Vorstandsvorsitzenden Otto Fricke und des scheidenden Präsidenten Weikert und des Präsidiums für das wichtigste Amt im deutschen Sport, auch eine ordentliche Wahl vorzubereiten. Da fühlten sich nun andere berufen.

Also geht es wieder nicht ohne Hintertürchen-Diplomatie. Am 28. März in Potsdam fühlen sich mal wieder einige, und vor allem einige, die meinen, ohne sie geht es nicht, berufen, eine Findungskommission zu installieren – selbsternannt und von eigenen Gnaden. Die Aktion begründen die Macher mit dem immer knapper werdenden  Zeitfenster, um passende Kandidaten zu finden. Okay, aber das Vorgehen nach Gutsherrenart lässt vermuten, dass man doch auch Eigeninteressen sichern wollte.

Späher im Gelände

Und so begaben sich dann die Späher, angeführt von Turnerpräsident und Spitzenverbandssprecher Alfons Hölzl und – natürlich wieder – Ingo Weiss auf die Suche. Mittlerweile waren auch der DOSB und die Landessportbünde informiert, deren Sprecher Jürgen Scholz und Katharina von Kodolitisch als Mitglied der LSB-Sprechergruppe am Tisch saßen. Die Verbände mit besonderen Aufgaben wurden durch Barbara Oettinger vertreten. Und weil sie es nicht allein stemmen konnte oder wollte, kam dann auch ihr Kollege Uwe Tonnier dazu. Für organisatorische und inhaltliche Unterstützung hatte man sich noch zwei Hauptamtliche gesichert: Den in Kommissionsfragen erfahrenen Bundesgeschäftsführer des Schützenbundes Jörg Brokamp und Christian Dahms, Hauptgeschäftsführer des LSB Sachsen.

„Es sind immer dieselben, die meinen, der Sport gehöre ihnen, und sie können machen, was sie wollen.“ In Oberhaching sei er fast aus den Puschen gesprungen, ärgert sich ein Verbandsverantwortlicher noch immer über das Vorgehen.

Vor der missglückten Nominierung des Kommissionskandidaten hatte es fünf Sitzungen gegeben, die letzte in Baden-Baden. Im Verlauf des Jahres wurden, so wird berichtet, nicht nur mit Weikert – es geht ja nicht nur um den Präsidentenstuhl –, sondern mit allen Präsidiumsmitgliedern Gespräche geführt. Wie viele AnwärterInnen für den ersten Platz im deutschen Sport bei der Findungskommission aufschlugen, ist nicht bekannt. Aber: Es wurden zwei ausgedeutet, die am 15. Juli in Frankfurt am Main zur Anhörung eingeladen wurden: Sport- und Eventmanager sowie IOC-Mitglied Michel Mronz und der Orthopädie-Professor und Präsident der Deutschen Triathlon-Union Martin Engelhardt.

Traum realisieren

And the Winner is: Mronz, der mit seinem olympischen Übereinsatz keinen Zweifel daran ließ, dass er der kommende Mann im DOSB sein wird. Was nun nicht alle so sehen. Der 59-jährige Kölner erinnert fast ein bisschen an Friedrich Merz, der sich seinen Traum vom Bundeskanzlersein unbedingt erfüllen wollte. Und nun erleben muss, dass die Wirklichkeit sehr ernüchternd sein kann, wenn man dann mal wirklich regieren muss. Menschen, die Michael Mronz gut kennen, sagen, er möchte unbedingt dieses Amt, für das er konkrete Vorstellungen habe. Wie die aussehen werden, ist an der einen oder anderen Personalie seines Schattenkabinetts in etwa zu erkennen – etwa an dem Ex-CEO von TUI und Vodafone, Fritz Joussen. Der 63-jährige soll, so sieht es Mronz, seine Erfahrungen in Transformation, Change-Management, Digitalisierung, Marketing und Budgetfragen einbringen. Sporterfahrung? Nicht bekannt – und vor allem deswegen stehen eine Reihe von Verbänden  diesem Vorschlag kritisch gegenüber.

Mronz ist derjenige, der das „O“ im DOSB, das Olympische, Marketing, Ökonomie in seinem Konzept ganz vorne sieht, ganz wie sein ehemaliger FDP-Parteifreund Thomas Bach. Dennoch sind Vertreter der Wintersportarten, Leichtathleten oder Ruderer keine Mronz-Fans. Natürlich will er sich auch um Breitensport kümmern und hatte da  schon mal den bisherigen DOSB-Vize Martin Engelhardt dafür vorgesehen.

Absprachen überholt

Der aber will nun selbst Präsident werden. Und würde auf keinen Fall als Vize in ein DOSB-Präsidium Mronz gehen, wie er jüngst in einem FAZ-Interview sagte. Absprachen oder Gedankenspiele, die vor einigen Monaten zwischen den  beiden noch galten, haben sich nun überholt. Mronz und Engelhardt haben konkrete Pläne, wie und wer Aufgaben übernehmen soll. Engelhardt sieht das IOC-Mitglied Mronz geradezu prädestiniert, für eine Olympiabewerbung Deutschlands international unterwegs zu sein.Aber auch national ist dann der  DOSB-Präsident viel gefordert. Man müsse dafür sorgen, dass Länder und Kommunen hinter der Bewerbung stehen und vor allem, dass sie verstehen, wie der gesamte deutsche Sport von Olympischen und Paralympischen Spielen profitieren werde.

Und dann sind da noch die vielen anderen Aufgaben, wie er in einem Telefonat sagt. Der 66-jährige Mediziner kennt den Sport in allen Facetten. Seine Karriere begann er als Schwimmer beim EOSC Offenbach. Seit 29 Jahren ist er Präsident der DTU. Im Frühjahr 2027 wird er dann seine berufliche Karriere als Chefarzt für Orthopädie, Unfall- und Handchirugie am Klinikum Osnabrück beenden und sieht sich dann auch zeitlich in der Lage, als DOSB-Präsident zu agieren. Seit Jahrzehnten ist Engelhardt kritischer Begleiter des DOSB, der seine Wahl als Vizepräsident ins DOSB-Präsidiums, die bei manchem auf Unverständnis  stieß, damit begründete: Man  könne nicht nur kritisieren, sondern müsse dann auch mitarbeiten. Was ihn auch umtreibt ist die gesamtgesellschaftliche Rolle des Breitensports – die müsse man wieder sichtbarer machen, ebenso wie die Werte des Sports, die gerade ein Präsident  nicht nur einfordern, sondern vorleben müsse.

 

Wohin steuert der Sport?

Bisher zwei Kandidaten, mit zwei teilweise unterschiedlichen programmatischen Ansätzen. Die allerdings auch mal in die Satzung des DOSB schauen sollten. Seit der Satzungsänderung  sind der ehrenamtliche Präsident und sein Präsidium nämlich Aufsichtsrat. Das operative Geschäft verantworten die Hauptamtlichen, angeführt vom Vorstandsvorsitzenden. Also wie sieht die neue Organisationskultur aus, in der die inhaltlichen sowie sportpolitischen Vorgaben umgesetzt werden sollen?
Wohin steuert der deutsche Sport in seiner Gesamtheit mit dem einen oder dem anderen? Zumal man nun mit der Neuausrichtung des deutschen Spitzensports mit einem Sportfördergesetz  und einer Agentur einen Großteil der Aufgaben als Dachorganisation an diese Agentur abgeben wird. Oder wie es der Vorstand Leistungssport, Olaf Tabor, formuliert „Dafür sind wir dann nicht mehr zuständig.“ In welche Richtung also muss der DOSB gehen – auch mit weniger Spitzensport, um gesamtgesellschaftlich wieder eine Rolle zu spielen?

Und dafür sind Führungspersonen gefragt, die zukunftsorientiert, kreativ und integer, unabhängig von politischen Parteien agieren – und nicht in Wahlperioden denken oder eigene Karrieresprünge forcieren. Es müssen Menschen sein, die wieder Vertrauen in die oberste Sportführung und ihr Handeln herstellen, das eben nicht von Eigeninteressen, Vetternwirtschaft oder… beeinflusst ist. Ein nicht leichtes Unterfangen.

Einheit und Einigkeit wurden bei der Olympiakandidatenkür Münchens in Baden-Baden von der „Sportfamilie“ beschworen, und schon ist sie wieder dahin – wegen Personalfragen.

Warum mag keiner?

Hört man sich um, wen das Fußvolk sich als DOSB-Präsidenten oder Präsidentin vorstellen könnte, wird lange nachgedacht. Die wenigen, die man selbst im Kopf hat, kennen junge Menschen schon kaum mehr. Es wäre schon interessant, ob man sich in den Führungsetagen des deutschen Sports mal die Frage gestellt hat, warum es immer schwieriger wird, Persönlichkeiten zu finden, die sich für ein Spitzenehrenamt zur Verfügung stellen?! Es liege besonders, so sagen Soziologen und Politikwissenschaftler, aber auch Marketingmenschen am schlechten Image des DOSB, der sich hauptsächlich in den letzten Jahren als ständig fordernder Lobbyist präsentiert hat, aber zugleich trotz wachsender finanzieller Mittel nicht bewiesen hat, dass er wieder auf dem Weg nach oben ist. Und die negativen Schlagzeilen über das Führungspersonal sind nicht unbedingt motivierend. Auch gesamtgesellschaftlich habe der DOSB wenig eigene Ideen eingebracht, sondern sich stets nur auf Trends aufgesetzt.

Mehr Gewicht für Mitgliederversammlungen

Auch in Sachen Demokratieverständnis in eigenen Gremien, etwa der Gewichtung von Mitgliedsversammlungen,die manche altgediente Sportfunktionäre noch immer als bloßen Abnick-Verein sehen, hätte der DOSB noch Nachholbedarf. Dazu gehöre auch das Überdenken der Wahlen, die für viele nach wie vor eben backstage ausgemauschelt werden, anstatt die im Sport doch oft vielbeschworene Transparenz tatsächlich mal auf der Bühne vorzuführen. Warum sollte es nicht möglich sein, dass Mitgliedsorganisationen Vorschläge für Präsidenten und Präsidium vorlegen, die auch von der Basis – sprich den Mitgliedern in den Verbänden – mitentschieden werden? Die vorgeschlagenen KandidatInnen könnten dann Wahlkampf machen und die Delegierten auf der DOSB-Mitgliederversammlung könnten sich entscheiden, wen sie gerne als Führungspersönlichkeit(en) haben wollen.

In Zeiten, in denen die Demokratie schweren Turbulenzen ausgesetzt ist, ist es wichtiger denn je, Führungspersönlichkeiten mit Wertekompass zu haben – gerade auch in solchen Organisationen wie dem DOSB.  Und die sollten von denen allen ins Amt gewählt werden, für die sie auch Verantwortung tragen.