Übungsleiter-Roboter als Lückenfüller im Ehrenamt?

Gespräch über freiwilliges Engagement mit dem Wirtschaftswissenschaftler Ronald Wadsack

Berlin, 15. Februar.- 28,8 Millionen Menschen in Deutschland setzen sich in ihrer Freizeit für das Gemeinwohl ein. Besonders viele von ihnen, nämlich 13,5 Prozent, engagieren sich im Bereich Sport und Bewegung. Ohne diesen ehrenamtlichen Einsatz würden viele Dinge in unserer Gesellschaft nicht funktionieren. Darüber sind sich manche nicht im Klaren. Sie begegnen Feuerwehrleuten, Sanitätern, Schiedsrichtern und vielen anderen Engagierten respektlos, beschimpfen sie oder greifen sie gar tätlich an.

Auch im Sport sind Ausfälle gegen Freiwillige mittlerweile an der Tagesordnung. Und auch im Sport fehlen an vielen Orten mittlerweile Menschen, die ein Vorstandsamt übernehmen oder zum Beispiel als Übungsleiter aktiv sein wollen.

Über ehrenamtliches Engagement, die Zukunft des Ehrenamts, über das, was Robotern als Übungsleiter fehlt und vieles mehr sprach sportspitze.de mit Professor Ronald Wadsack (Foto). Der Wirtschaftswissenschaftler, der bis zu seinem Ruhestand „Management von Einrichtungen des Sports und der Sportindustrie“ an der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften – Campus Salzgitter lehrte, beschäftigte sich Jahrzehnte mit der Zukunftsfähigkeit von Sportvereinen, freiwilligem Engagement/Ehrenamt und verfasste zahlreiche Publikationen dazu.

Täuscht der Eindruck, Herr Professor Wadsack, dass derzeit so viel über Ehrenamt und ehrenamtliches Engagement gesprochen wird wie selten zuvor? Musste es dafür erst negative Entwicklungen und Schlagzeilen wie fehlende Ehrenamtler, Angriffe auf Feuerwehr, Rotkreuzler etc. geben, damit Politik und Gesellschaft erkennen, was für einen unbezahlbaren Schatz sie da haben? Und ins Handeln kommen?

Wadsack: Ich kann nicht belegen, inwieweit die Nachrichtenpräsenz von Engagement heute intensiver ist. Die Landschaft der Nachrichtenproduktion und -verbreitung hat sich ja auch massiv verändert. Es ist gut, dass über solche negativen Übergriffe berichtet wird. Immer in der Hoffnung, damit auf das Bewusstsein bei Menschen einzuwirken, welchen Wert diese Hilfeleistungen für die Gesellschaft haben, und dass Gewalt keine Lösung ist.

Inwiefern damit der Transfer auf freiwilliges Engagement erfolgt, ist schwer zu sagen. Ich weiß nicht, inwieweit in der Gesellschaft der Unterschied zwischen bezahlten Tätigkeiten und freiwilligem Engagement bekannt ist und mit einzelnen Erfahrungsbereichen in Verbindung gebracht wird.

Eine andere Facette ist die Frage, inwieweit die Berichterstattung mehr den Mechanismen einer kurzfristig wirkenden Erregungsmaschinerie zuzuordnen sind oder wirklich ein grundlegendes Nach- und Umdenken bewirkt.

Vor einiger Zeit ist mir der Hinweis auf ein „kulturelles Gedächtnis“ der Gesellschaft begegnet. Das finde ich einen sehr hilfreichen Gedanken an dieser Stelle. War in den 1950-er vielleicht bis in die 1980-er Jahre hinein das Engagement im Verein mit der Übernahme von Ehrenämtern oder sonstigen Aufgaben noch eine Art Selbstverständlichkeit, so hat sich die Präsenz in der Gesellschaft gewandelt. Selbst unter sportlich aktiven Studierenden des Sportmanagements ist die Kenntnis der Besonderheiten eines Vereins nicht unbedingt verbreitet.

Und wie ist die Kenntnis in der Politik?

Wadsack: Aus meiner Sicht ist durchaus vielen Menschen in der Politik bewusst, dass freiwilliges Engagement eine sehr wichtige Rolle für die Gesellschaft hat. Es werden im Alltag viele gesellschaftliche Themen aufgegriffen – weit über den Sport hinaus. Eine Ehrung von Ehrenamtlichen hier in Salzgitter bezog sich zum Beispiel auf Hospizarbeit, Engagement in der Betriebsratsarbeit, die Leitung eines Fanfarenzuges und einiges mehr. Neben der direkten thematischen Wirkung ist der Wert für das soziale Miteinander und die persönliche Entwicklung durchaus bewusst.

Allerdings muss sich dieses Thema neben vielen anderen auf den politischen Handlungsebenen behaupten. Die Gründung der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt im Jahr 2020 mit einer relevanten Finanzausstattung war da schon ein wichtiges Signal.

Vielleicht erst mal zur Definition: Was ist für Sie ein Ehrenamt? Und was ist für Sie kein Ehrenamt mehr? Ist der Begriff eigentlich noch zeitgemäß?

Wadsack: Im Grunde geht es um die Abgrenzung zu bezahlter Mitarbeit. Wobei bezahlte Mitarbeit beileibe kein Makel für Sportvereine ist. Aus meiner Sicht ist das Ausdruck der geänderten gesellschaftlichen Realität. Wenn Aufgaben erfüllt werden müssen, sich aber niemand für Engagement findet, dann ist Bezahlung die gängige Alternative, auch wenn sie final möglicherweise auf die Mitgliedsbeiträge durchschlägt.

Es wäre gut, eine sprachliche Klarheit in den Sportorganisationen zu pflegen, also bezahlte und unbezahlte Mitarbeit klar zu trennen. Honorarkräfte und Minijobber sind eben in meinem Verständnis keine ehrenamtlich Tätigen. Eine deutliche Unterscheidung würde auch den besonderen Charakter der ehrenamtlichen bzw. unentgeltlichen Tätigkeit betonen.

Die Ehrenamtspauschale gilt als Aufwandsentschädigung, wird aber in verschiedenen Merkblättern und Aussagen heute mit dem Begriff „Honorierung“ versehen. Damit wird diese Klarheit nicht gefördert.

Zum Begriff Ehrenamt. Da müsste man unterscheiden: Mit „Amt“ verbinden sich aus meiner Sicht die satzungsgemäßen Wahlfunktionen innerhalb eines Vereins, andere Formen sind freiwilliges bzw. unentgeltliches Engagement, vom Kinderschminken beim Vereinsfest bis zur Projektarbeit für die Vereinschronik. Allen gemein ist die Kündigungsfrist von 1 Sekunde. Insofern steht mit dem Konzept des Freiwilligenmanagements eine wichtige Handlungsebene für die Vereine bereit.

Sie haben sich ja sehr intensiv über lange Zeit mit dem Ehrenamt im Sport beschäftigt. Da gibt es offensichtlich mittlerweile mehr und mehr ein Zwei- oder gar Drei-Klassen-System: die, die sich tatsächlich ohne Bezahlung reinhängen, die, die eine minimale Aufwandsentschädigung bekommen, und diejenigen, die von „Ehre“ sprechen, dass sie in einen gemeinnützigen Verband/Verein ins Ehrenamt gewählt wurden, sich dafür aber königlich entlohnen lassen – neben vielen anderen Annehmlichkeiten. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Wadsack: Der Begriff „Ehrenamt“ ist eigentlich sehr schön. Er verweist auf ein damit möglicherweise verbundenes Selbstverständnis, die Aufgabe, und damit die auch verbundene Verpflichtung, in ehrenhafter Art und Weise zu erfüllen.

Die Frage ist nur, ob diese Ehrenhaftigkeit in heutiger Weise auch an die Engagierten zurückgegeben wird. Mitgliederversammlungen zeigen manchmal ein anderes Bild: Da herrscht gegenüber Ehrenamtlichen ein rauer Ton. Und oft werden sie mit überbordenden Forderungen konfrontiert. Da ist der Verein gefordert, seinen Mitgliedern die Besonderheit des ehrenamtlichenVereinswesens nahezubringen.

Ob die beschriebene Entwicklung der Vermischung von Entlohnung und Ehrenamt zunimmt, kann ich nicht sagen.Wie schon angesprochen, halte ich hier eine saubere sprachliche Trennung für wichtig. Wenn man mit dem spitzen Bleistift des Controllers einmal herangehen würde, könnte man wohl zwischen Auslagen, Auslagenerstattung und Honorierung eine genauere Linie ziehen.

Ein Teil der Verbände sowie größere Sportvereine planen oder sind gerade in einem Umstrukturierungsprozess. Oder haben diesen schon abgeschlossen. Danach übernimmt ein bezahlter Vorstand das Tagesgeschäft und die strategische Arbeit. Als eine Art Aufsichtsrat fungiert das ehrenamtliche Präsidium. Und natürlich gibt es dann noch die Mitglieder- oder Delegiertenversammlung als formell oberstes Organ. Dies halte ich für eine saubere und klare Regelung, die den Führungs-Anforderungen dieser Vereine und Verbände gerecht wird.

Der Sport war jahrzehntelang der Ort, wo man sich gerne engagiert hat. Noch immer ist er Spitzenreiter beim Engagement, aber es werden immer weniger. Woran liegt das aus Ihrer Sicht? Verändertes Familien- und Berufsleben, anderes Freizeitverhalten? Anderer Lebensstil?

Wadsack: Es engagieren sich immer noch sehr viele Menschen auch gerne im Sport. Dennoch gibt es gesellschaftliche Veränderungen. Ich hatte schon den Aspekt des „kulturellen Gedächtnis“ angesprochen. Themen geraten in den Hintergrund, einige werden „vergessen“. Auch wenn sie vielleicht nur auf eine Art gedächtnismäßiges Abstellgleis geraten. Das hat mit persönlichem Erlebnis von Leben und daraus resultierenden Lebensverhältnissen zu tun. Die Entwicklung von Familie, Partnerschaft, Arbeitsleben und Freizeitaktivitäten hat an vielen Stellen eine Veränderung erfahren.Und andere Themen schieben sich in den Vordergrund.

Peter Gross hat den Begriff der „Multioptionsgesellschaft“ in die Diskussion eingebracht. Dieser Begriff beschreibt die Situation für viele Menschen sehr gut, auch wenn vielleicht der persönliche finanzielle Rahmen den Möglichkeitsraum begrenzt.

Das bedeutet nicht jeder kann oder will sich ein Ehrenamt leisten?

Wadsack: Freiwilliges und unentgeltliches Engagement vom Wahlamt bis zur Hilfe beim Vereinsfest kostet Zeit. Zeit – die Basiswährung für jeden einzelnen Menschen. Mit der verschärfenden Bedingung, dass es dafür kein Kreditsystem gibt. Die Entscheidung für die Aktivität A bedeutet den Verzicht auf andere Aktivitäten, die gleichzeitig möglich wären.

Als Wirtschaftswissenschaftler gehe ich gerne davon aus, dass Menschen einen Nutzen in ihrem Tun suchen. Also stellt sich die Frage: Welchen Nutzen können Sportvereine den Menschen für ihr Engagement bieten, abseits von finanziellen Anreizen? Freiwilliges Engagement im Sport bietet nicht nur Identifikation, Gemeinschaft, sondern auch Lernmöglichkeiten auf vielen Ebenen. Nicht nur über Miteinander und Toleranz reden, sondern vorleben, zur Kreativität und Eigeninitiative auffordern und machen lassen. Menschen, die sich einbringen wollen, werden aus ihrer jeweiligen Lebenssituation heraus bewerten, ob der Verein zu ihnen passt und sie zum Verein.

Für viele ist das Ehrenamt oft mehr Last als Lust – es gibt viele Geschichten von ÜbungsleiterInnen, SchiedsrichterInnen, Vereinsvorständen, die nach langem Engagement aussteigen, weil sie von ihrem Umfeld gemobbt und angepöbelt werden. Hat sich das auch im Sport verstärkt?

Wadsack: Zu den Befindlichkeiten von Engagierten in Sportvereinen gibt es im Grunde kaum tiefergehende Untersuchungen. Die sind auch aufwändig. Im Freiwilligensurvey werden ja Gründe abgefragt, warum man das Engagement beendet. Der Zeitfaktor ist absolut im Vordergrund, erst mit deutlichem Abstand kommen Antworten zu fehlender Anerkennung, fehlender Kompetenz, fehlender Möglichkeit zur Onlinearbeit. Hier ist aber der Sport nicht alleine in der Auswertung.

Vor etwa zehn Jahren gab es eine größere Untersuchung zum Thema Engagierte in Sportvereinen. Von den etwa 3.000 Befragten sagten damals über 80 Prozent, dass sie sich zumindest teils-teils angemessen gewürdigt fühlten. Was ist mit den restlichen 20 Prozent?Befragte, die schon einmal überlegt hatten aufzuhören, nannten als Gründe neben der Belastung aus der Mitarbeit oder einer veränderten Lebenssituation auch Ärger im Verein und fehlende Anerkennung – etwa ein „Danke“.

Vor einigen Monaten berichtete eine Frau bei einem Online-Workshop, dass sie ihren Vorstandsposten aus persönlichen Gründen aufgeben wollte. Sie werde jetzt wohl ganz aus dem Verein austreten, weil man ihr im Verein kein Verständnis für ihre Entscheidung entgegenbrachte. Eine ähnliche Geschichte sei auch in einem Nachbarverein passiert.

Seit der Gründung des DOSB hatten viele an der Sportbasis, aber auch außenstehende Beobachter, den Eindruck, dass es vor allem im DOSB um Spitzensport, weniger um Breitensport ging und Themen wie Ehrenamt hauptsächlich in Sonntagsreden eine Rolle spielten. Das hat sich nun – zumindest in der Nach-Bach/Hörmann-Ära etwas verändert. Ist der Eindruck richtig? Was wurde in den vergangenen 20 Jahren versäumt?

Wadsack: Es bräuchte eine eigene Studie, um zu dem Gebaren des DOSB eine fundierte Antwort zu geben. Allerdings scheint mir ein Blick auf das Konstrukt DOSB hilfreich, der ja selbst wiederum für seine Mitglieder (Landessportbünde, Spitzenfachverbände, Verbände mit besonderen Aufgaben) im Einsatz ist, aufgrund der Organisation aber keine Durchgriffsmöglichkeit auf die Arbeit der Vereine als eigentlichem Aktivitätsort hat. Außer er kann diese Initiativen mit Geldgaben verbinden, auch dann ist er aber von der Bereitschaft der Akteure in den Mitgliedsorganisationen bzw. Vereinen abhängig.

Im DOSB existiert eine „Community Ehrenamt & Engagement im Sport“, in der VertreterInnen aus den Mitgliedsorganisationen vernetzt sind, die sich mit diesem Themenfeld befassen. Damit soll der Austausch u. a. über Lösungsansätze unterstützt werden, da in den Landessportbünden und einigen Fachverbänden relativ eigenständig an diesem Thema gearbeitet wird.

Der LSB Niedersachsen zum Beispiel greift dieses Thema in der Vereinsberatung auf, bietet Ausbildungen zum/zur FreiwilligenmanagerIn an und hat ein Zertifizierungssystem zum „engagementfreundlichen Sportverein“. Damit sind wichtige Impulse gesetzt. Letztlich müssen sich die Sportvereine darum aber selbst kümmern.

Der DOSB feiert sich wegen seines Mitgliedschaftsrekords, aber ihm fehlen neben genügend Sportstätten vor allem die Ehrenamtler. Lange Wartelisten in Vereinen und bei bestimmten Sportarten sind die Folgen. Welche Möglichkeiten gibt es aus Ihrer Sicht, Menschen für das Ehrenamt zusätzlich zu gewinnen? Oder sind wir mittlerweile auch hier bei einem Kipppunkt angelangt, dass Ehrenamt und ehrenamtliche Engagement aus der „Mode“ kommt?

Wadsack: Auch hier muss man genauer hinschauen. Nicht überall gibt es Wartelisten – außer vielleicht bei Schwimmkursen. Nicht überall mangelt es an Sportstätten. Häufig werden zwei wichtige Aufgaben nicht berücksichtigt, die aber Grundlagen sind, dass Menschen etwas über Möglichkeiten, sich zu engagieren, wissen und interessante Aufgaben vorfinden:

Das eine ist Marketing: Menschen, die einem Sportverein beitreten oder Eltern von Kindern im Verein wissen zum Teil überhaupt nicht, wie ein Verein funktioniert. Und – dass Engagement eine tragende Säule ist, um überhaupt Vereinsangebote erschwinglich bereitzustellen.

Und es geht um Ursachenanalyse im Verein, wenn es Probleme im Engagementbereich gibt. Letztendlich entscheidet sich die erlebte Qualität der Bedingungen zur Mitarbeit nur vor Ort. Da können keine Kampagnen auf Verbandsebene helfen.

Auch Engagement im Sportverein muss zeitgemäß sein. Digitalisierung und KI müssen sinnvoll eingesetzt werden.

Ein weiterer Ansatzpunkt kann etwa darin liegen, in Kooperationen zu denken. Die Schaffung von Serviceeinheiten für Verwaltungsaufgaben kann Entlastung bringen. Die Einrichtung von Sportgenossenschaften für strukturschwache Regionen sind Denkansätze, immer mit dem Aspekt des Erhalts der Vereinsidentität als wichtigen Anker auch für Engagement.

Die amtierende Bundesregierung hat mit Christiane Schenderlein eine Staatsministerin für Sport und Ehrenamt eingesetzt. Es gibt ja eine Reihe von Organisationen wie die Stiftung Engagement und Ehrenamt, die da unterstützen. Was kann nun ein Staatsministerium dazu beitragen?

Wadsack: Eine Staatsministerin als Bundesbeauftragte hat die Aufgabe, die Bundesregierung themenspezifisch zu beraten und zu unterstützen. Insofern kann in der Aufgabe liegen, bei entsprechenden Beratungen den Blick auf das Engagement konstruktiv einzubringen. Dies ist ein zum guten Teil interner Prozess.

Mit der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) ist schon vorher eine sehr aktive Organisation geschaffen worden, die sich in dem Themenfeld mit vielfältigen Aktivitäten einschließlich der Online- und Präsenzveranstaltungen und der finanziellen Förderung von Projekten eine gute Position erarbeitet hat. Nicht nur für den Sport, es gibt ja innerhalb der Gesellschaft sehr viele Bereiche, in denen Menschen sich unentgeltlich einbringen.

Ein Staatsministerium kann das Thema „Ehrenamt & Engagement“ in jedem Falle sichtbarer machen. Der Erfolg hängt wiederum mit der Wahrnehmungsbereitschaft bei den Menschen zusammen, um Wirkung zu erzielen.

Was würde es generell für die Republik bedeuten, wenn ehrenamtliches Engagement weiter nachlassen würde? Und speziell für die Zukunft des organisierten Sports?

Wadsack: Der Blick in die Glaskugel ist eine riesige Herausforderung, weil so viele unterschiedliche Handlungsströme Einfluss nehmen. Wie entwickeln sich Familienleben, Arbeitsleben, Einkommenssituation, Freizeitverhalten? Welchen Einfluss hat die im Moment immer mehr in unser Leben eingreifende Digitalisierung in Zukunft? Welche Rolle spielen globale Handlungen für unsere Möglichkeiten der Lebensgestaltung?

Auf der Ebene der immer spürbareren Verlagerung von Leben und Arbeiten in den digitalen Raum kann der Sportverein vielleicht sogar ein wichtiges Korrektiv in unserer Gesellschaft sein. Menschliches Miteinander statt Mensch-Technik-Kopplungen.

Also keine Angst vor humanoiden Robotern als Übungsleiter?

Wadsack: Wenn ich einmal von einer sehr einfachen Vierteilung der Aufgaben in einem Sportverein ausgehe, komme ich zu Führung, Verwaltung, Sportbetrieb, Sportanlagenpflege (wenn vorhanden). Dort wo direkte Mensch-Mensch-Leistungsbeziehungen bestehen, also im Sport- und Geselligkeitsbetrieb, wird es weiterhin Bedarf geben. Strategische Arbeit und Kreativität in der Vereinsentwicklung sind weitere menschliche Handlungsfelder. Ob dies über Engagement oder bezahlte Mitarbeit erfolgt, hängt wiederum davon ab, inwieweit Menschen aus ihrer Lebenssituation betrachtet in der Zukunft einen Nutzen in einem Engagement sehen und sich dieses leisten können. Da kann es helfen, durch gute Kommunikation den Blick zu lenken und zu schärfen.

Allerdings gibt es mit dem Einsatz von Robotern als Übungsleitung im Seniorensport erste Entwicklung, die auch hier den Menschen ablösen. Mähroboter ziehen schon bei vielen Vereinen ihre Kreise.

Ich kann mir durchaus vorstellen, dass in einer zunehmend technisierten Welt der Wunsch nach Erleben von sozialem Miteinander, Problemlösen aus eigener Denkkraft einen Reiz ausüben und zu einem Engagement führen kann. Auch aus meiner Position als Nicht-Mediziner wird für einen menschlichen Körper zudem die Notwendigkeit einer Aktivierung bestehen, um für alle anderen Lebensaktivitäten einsatzfähig zu bleiben und das Gesundheitssystem nicht weiter zu strapazieren.